9.41 Cyclamen persicum- Persisches Alpenveilchen
|
Welche pflanzen wählte man vor mehr als 100 Jahren für die Wohnung aus
Falls sie die Tipps auf dieser webseite anwenden wollen, lesen Sie bitte vorher die Nutzungsbedingungen
Klicken Sie hier, wenn sie zurück zur Pflanzenübersicht kommen wollen
9.41 Cyclamen persicum- Persisches Alpenveilchen
Große Gärtnereien gibt es, die sich nur mit der Anzucht von Alpenveilchen beschäftigen und Abertausend dieser herrlichen Gewächse jährlich auf den Markt bringen. Daß in solchen Gärtnereien bedeutend schönere und üppigere Pflanzen erzogen werden, als wir sie selbst zu ziehen vermögen, ist wohl natürlich, und ebenso natürlich, daß uns der Reiz der üppigen Pflanzen mit 20-30, ja 60 Blüten und mehr immer wieder verlockt, neue Töpfe zu kaufen. Oftmals gibt es dann Klagen über die Neugekauften, sie wollen nicht so, wie wir es wohl möchten, werden gar bald unansehnlich und bringen die Blütenknospen, welche in großer Zahl noch auf dem Grunde der Knollen sitzen, nicht heraus.
Was ist die Ursache dieser Übelstände?
Fast immer haben wir einen unpassenden Standort im Zimmer gewählt. Es ist dort zu warm, wohl auch zu dunkel. Das Alpenveilchen liebt nur 8-10°C Wärme, wenn es sich ruhig weiter entwickeln soll, und, da die Blütezeit in den Winter oder in das zeitige Frühjahr fällt, den allerhellsten Platz, den wir besitzen, doch darf es dort nicht durch die Ritzen des Fensters ziehen. Kalte Zugluft kann die Entwicklung der Knospen auch verhindern, und nur durch Höherstellen des Topfes läßt sich dann das Alpenveilchen schützen.
Ist die Blüte vorüber, dann darf die Pflanze diesen Platz räumen. Zum allmählichen Absterben ist nicht soviel Licht notwendig. Die Knolle, welche im Boden steckt oder auf der Erdoberfläche liegt, muß nur Zeit genug haben, einziehen zu können. Wir dürfen deshalb nach der Blüte nicht das Gießen so ohne weiteres einstellen.
In den ersten 8-14 Tagen sollte kein Unterschied gemacht werden. Erst von da ab ist es geraten, die Knolle allmählich trockner zu halten, von Woche zu Woche mehr, bis - sind die Blätter alle gelb geworden - das Gießen ganz aufhört. Die abgestorbene Pflanze bleibt im Topfe und wird mit ihm an einen mäßig warmen Ort gestellt, wo die Blätter vollständig abwelken können.
Nach der heurigen Blütezeit richtet sich diejenige des nächsten Jahres. Drei bis vier Monate muß das Alpenveilchen ruhen, dann wird es wieder eingepflanzt. Es erhält dieselbe Topfgröße, der alte Topf wird event. gewaschen, und gute Gartenerde oder etwas Laub- und Mistbeeterde. Die Knolle kommt ebenso in den Boden, wie sie gestanden hat, alle schlechten Wurzeln und sämtliche alte Erde wird fortgenommen. Nicht mit einem Mal fängt nach dem Berpflanzen das Alpenveilchen an zu wachsen. Es dauert oft ziemlich lange, bis die ersten Blätter kommen. In dieser Zeit wird sehr wenig gegossen, später mehr.
Wenn wir bei dem Alpenveilchen, das geradenwegs aus dem Gewächshause kam und in voller Blüte stand, nicht mehr wie 8—10 °C Wärme im Zimmer haben durften, so können wir jetzt der frisch hervortreibenden und vollständig an die Zimmerluft gewöhnten Pflanze ohne Schaden 12 – 14 °C Wärme geben. Ja, es ist diese Wärme in der ersten Zeit sogar notwendig, nur muß, das läßt sich nicht genug betonen, der Standort ganz hell sein. Die besten Erfolge mit den Knollen hat man, wenn sie nicht im Herbste, sondern im Februar, März in Töpfe gepflanzt werden, es gibt dann tagtäglich mehr Licht im Zimmer. Im Monat Mai müssen aber die herangewachsenen Pflanzen Schatten bekommen, weil die Sonnenstrahlen sonst die Blätter verbrennen und bleichen.
Man kann ein Alpenveilchen viele Jahre im Zimmer haben - es sind Fälle bekannt, wo dieselbe Knolle 10 Jahre hindurch den Besitzer erfreute, bis sie schließlich so dick und unförmlich geworden war, daß kein manierlicher Topf für das Ungetüm passen wollte. Teilen lassen sich alte Knollen schlecht, meistents geht dadurch die Üppigkeit verloren und die Teile kränkeln ihrem Ende entgegen.
Eine bessere Möglichkeit Alpenveilchen zu vermehren ist sie aus Samen zu ziehen. Sie ist beim Handelsgärtner allein üblich und werden dort in einem Jahre starke, verkaufsfähige Pflanzen mit vielen Blüten erzogen. Der Blumenfreund kann dem Handelsgärtner darm nicht gleich kommen, aber aus Samen Pflanzen zu ziehen und sie in längerer Zeit zu leidlich guten Exemplaren sich entwickeln zu lassen, das ist ihm möglich.
Hauptsache ist zuerst guter Samen, der freilich teuer ist, das Samenkorn koftetete (im Jahre 1880) zwischen 3 und 10 Pfennigen (Deutschland). Die größten Körner sind die besten.
Aus den ganz kleinen wird nie eine kräftige Pflanze. Ausgesäet wird im August in Schalen auf Heideerde, einzeln, und jedes Samenkorn ein wenig in den Boden eingediückt, dann mit einer dünnen Erdschicht bedeckt. Am warmen Orte keimen die Körner in 14-21 Tagen.
Sobald sie hervorkommen ist ein heller Platz notwendig. Die hauptsächlichste Kunst der Cyklamenzucht besteht darin, die jungen Knöllchen den ganzen Winter hindurch in steter, mäßiger Vegetation zu erhalten. Sie werden an einem 8-10°C warmen Platz gestellt und immer mäßig gegossen. Die Entwicklung des ersten Blattes geht sehr schnell, auch das zweite Blatt läßt meistens nicht gar zu lange auf sich warten, doch dann ist Pause. Um nun von neuem zum Wachstum anzuregen, werden die Pflänzchen in eine neue Schale und neue Heideerde verstopft. Sie erhalten jetzt 2-4 cm Abstand.
Im Frühjahre kommen die Alpenveilchen einzeln in kleine Töpfe. Wenn sie mit denselben in ein warmes Mistbeet eingelassen werden können, ist das sehr vorteil haft, denn das Wachsen geht dort schneller.
Ob die Pflanzen nun aber im Zimmer am halbschattigen, oder während der Sonne geschützten Fenster, oder im Mistbeetkasten stehen, immer ist ein öfteres Verpflanzen im Laufe des Sommers geboten. Je nach dem Wachstum ein- oder zweimal. Vor kaltem Luftzuge sind die Pflanzen besonders zu bewahren. Öfteres Spritzen an warmen Tagen, Reinigen von Ungeziefer, kurz alle Sachen, die eine mit Liebe durchgeführte Pflege ganz selbstverständlich findet, sind zu beachten. Das Düngen der Alpenveilchen geschieht in Kästen mit Kuhdung oder Blut; im Zimmer würde ich lieber davon absehen.
Cyclamen europaeum ist härter als das persische Alpenveilchen, dauert länger im Zimmer, hat aber nicht so große Blüten, doch riechen diese.






