Helenes Garten

Eine alte Welt


9.6 Amaryllis


Welche pflanzen wählte man vor mehr als 100 Jahren für die Wohnung aus

Falls sie die Tipps auf dieser webseite anwenden wollen, lesen Sie bitte vorher die Nutzungsbedingungen

Klicken Sie hier, wenn sie zurück zur Pflanzenübersicht kommen wollen

9.6 Amaryllis

Die Amaryllis bilden eine farbenprächtige, artenreiche Pflanzenfamilie, von der wir jedoch im Zimmer höchst selten mehr als zwei oder drei besitzen.

Die Kultur der Amaryllis ist verhältnismäßig leicht, und doch die Klage häufig, daß die Zwiebeln, wenn man sie blühend gekauft hat, nicht wieder blühen wollen. Die Ursache dieses Nichtblühens, welche so manche Zwiebel unschuldiger Weise in argen Verdacht bringt, ist hauptsächlich in der unpassenden Behandlung der Pflanze nach der Blüte zu suchen. Der Mohr kann gehen, wenn die prächtigen Blüten dahin sind, und unsere Amaryllis wandern an irgend welchen dunklen Ort, wo sie aus reinem Zufall hin und wieder eine Wassergabe erhalten. Da liegt unser Fehler.

Gerade nach der Blüte beginnt eigentlich erst die Pflege. Die Blüte selbst ist noch die Folge der vorjährigen Behandlung, von Neuem muß jetzt durch die Blätter, durch die Wurzeln die Kraft zu neuer Blüte gelegt werden. Vor Allem gilt es Schonung der Blätter. Sie sind in ihrer geringen Anzahl ein um so kostbareres Gut. Nichts darf daran gebrochen, gestoßen oder sonstwie beschädigt werden. Dann heißt es zur rechten Zeit gießen und düngen.

Düngen allwöchentlich einmal: Kuhdung, Hornspähne kurz. Jeder vergorene und nicht zu starke Dünger ist passend. Haben wir keinen Frühbeetkasten oder keinen recht geschützten Platz im Garten, so ist am hellen Fenster der geeignetste Ort zum Aufstellen der Pflanzen.

Sobald die Blätter abgestorben, schneiden wir sie ab und bringen nun die Zwiebeln an einen Winterort, einen trockenen, 8-10°C warmen Platz, am besten mit dem Topfe. Man kann zwar die Zwiebeln herausnehmen und sie ohne jede Bedeckung aufbewahren, doch sind dann eher Verluste zu erwarten.

Im Dezember, Januar, Februar, je nachdem wir eine Blüte der Amaryllis wünschen, stellen wir die Töpfe wärmer, dicht an den Ofen oder sogar auf denselben 18 bis 20 °C vertragen die Zwiebeln und lassen sie so lange stehen, bis sich aus der Zwiebel ein rotbrauner oder dunkelgrüner Trieb entwickelt, die Blütenknospe.

Nun wird umgepflanzt, die alte Erde fortgenommen, neue Wurzeln, die sich gebildet haben, vorsichtig geschont und gute Frühbeeterde oder Lauberde zum Einpflanzen gewählt. Ein heller warmer Stand am Fenster ist dann zur Weiterentwickelung der Knospe noch notwendig und regelmäßiges Gießen. Wenn sich die Knospe nach dem Umpflanzen der Zwiebel nicht rasch weiter entwickeln sollte, würde es geraten sein, die Zwiebel mit ihrem neuen Topf auf den Ofen zu bringen, doch stete Feuchtigkeit im Topfe ist nicht zu vergessen.

Man kann die Amaryllis auch, und dies tut man gern, wenn sie nicht blühen wollen, im freien Grunde eines Mistbeetkastens, oder auf ein gutes und nahrkräftiges Gartenbeet auspflanzen und sie im Sommer oder Herbst, wenn die Blätter abgestorben sind, hereinnehmen.

Im Winter steht sie am besten in einer Wärme von 8-10 °C, aber hell am Fenster, nicht dunkel. Im Sommer muß man sie der Sonne aussetzen. Je mehr Sonne sie bekommt, desto besser blüht sie; 3-4 Seitenzwiebeln können neben der Hauptzwiebel bleiben, sie blühen auch. Mehr sollte man aber nicht dulden.

Die Vermehrung aller Amaryllis geschieht durch Samen und durch die sich massenhaft bildenden Seitenzwiebeln.

Bei der Samenzucht hat man die Aussicht, neue und schöne Farben zu erzielen. Die Seitenzwiebeln, welche zur Fortzucht dienen sollen, bleiben möglichst lange an der Mutterzwiebel, damit sie sich erst gehörig kräftigen und werden dann, bis sie blühen, alljährlich ausgepflanzt in ein Mistbeet oder aus ein sonniges warmes Beet des Gartens. Seitenzwiebeln, die nicht benutzt werden sollen, bricht man so früh wie möglich fort; sie sind nur unnütze Esser.

 

Buchtipps