9.23 Die Knollenbegonien - Begonia boliviensis
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9.23 Die Knollenbegonien - Begonia boliviensis
haben, seitdem durch stete Verbesserung Pflanzen mit außerordentlicher Blütenfülle und prächtig gefärbten großen Blüten erzogen worden sind, eine förmliche Revolution unter den Begonien hervorgerufen und die andern mehr und mehr zur Seite gedrückt. Es ist auch ein glänzendes Bild, daß schon eine einzige, Blütenschwere Begonie zu geben vermag, doppelt glänzend aber ist es, wenn viele auf einem Beete zusammenstehen.
Die Knollenbegonien ruhen über Winter. Es werden deshalb die Pflanzen, welche im Freien auf Beeten gestanden haben, sobald der erste Frost über sie hinweggegangen ist, vorsichtig mit etwas Erdballen herausgenommen und einige Tage am trockenen, luftigen, vor Frost gesichertem Orte nebeneinander hingestellt. Sind sie etwas abgetrocknet, dann schneidet man den Stengel 6-10 cm über der Knolle ab und schichtet die Knollen mit Sand oder Erde in Kästen. Nicht viel Lagen Knollen übereinander, eine Schicht ist am vorteilhaftesten, zwei, drei sind zulässig. Kästen und Knollen kommen in einen trockenen wenn auch dunklen, 6—8 °C warmen Raum oder im Wohnzimmer und bleiben hier bis zum Frühjahre stehen. Jedes Gießen unterbleibt. Knollenbegonien, die im Topfe gezogen sind, bleiben in ihren Töpfen. Der Schnitt des Stengels geschieht wie vorhin, auch ein gleicher Platz wird für sie ausgesucht.
Das Wachstum der Knollen beginnt nach Maßgabe des wärmeren oder kälteren Standes, bald früher, bald später. Aus jeden Fall geschieht das Einpflanzen im März, oder April in recht nahrhafte Erde (Mistbeet mit Laub oder auch Mistbeeterde allein oder gute Garten oder Rasenerde). Wo die
Knollen gesunde Wurzeln zeigen, bleiben diese, alle abgetrockneten Wurzeln werden mit, scharfem Messer entfernt. Das Einpflanzen geschieht auf folgende Weise: Man legt in den Topf eine Scherbenunterlage, füllt ihn als dann mit guter Erde, stößt etwas auf und drückt nun die Knolle in die Mitte des Topfes etwas ein. Die Erde wird sich
weit senken, daß man Erde nachfüllen muß, und zwar in der Höhe der Knolle. Im fertig bepflanzten Topf steht dann der obere Teil der Knolle
mit dem Erdboden gleich. Wo dies nicht der Fall ist, da muß Knolle soviel gehoben oder tiefer gelegt werden, um die richtige Pflanzweise, Oberfläche der Knolle mit dem Boden in gleicher Höhe, herzustellen. Die bepflanzten Töpfe gießt man nicht gleich.
Man sieht nur daraus, daß die Erde nicht zu sehr austrocknet. Sobald sich junge Würzelchen gebildet haben und Besitz von der Erde nehmen, beginnt das regelmäßige Gießen. Die Knolle schont man dabei. Rings um sie herum darf das Wasser fließen. Je mehr Blätter sich bilden, desto mehr Wasser ist notwendig , auch ein Dungguss ist angebracht. Stehen die Begonien in der ersten Zeit nach dem Einpflanzen am geschlossenen Fenster, so müssen sie nachher öfters Luft erhalten und schließlich am völlig geöffneten Fenster stehen, damit die Stengel nicht gar zu lang in die Höhe schießen.
Knollenbegonien, welche in Töpfen stehen, vertragen zwar die volle Sonne, aber sie fühlen sich wohler, entwickeln auch bessere Blumen, wenn sie ein klein wenig Schatten haben können. Ausgepflanzt dagegen, im Kasten, auf dem Balkon oder im Garten auf ein Beet, ist ihnen die vollste Sonne beinahe ein Bedürfniss. Je mehr und je länger die Sonnenstrahlen Gelegenheit haben, den Blättern das dunkle, sonnengebräunte Grün auszudrücken, desto schöner entwickeln sich die Blüten.
So ohne weiteres dürfen freilich die Pflanzen nicht auf die Beete gesetzt werden, erst müssen sie einige Tage im Schatten stehen unter Bäumen und dort abgehärtet werden. Einfacher wäre es, wenn wir statt der Pflanzen gleich die Knollen hinaus auf die Beete pflanzen könnten, aber so oft auch der Versuch schon gemacht worden ist, man ist unzufrieden damit, weil die Blüte zu spät beginnt. Im Freien treiben die Knollen zu schlecht aus.
Wie wenig andere Pflanzen, hat die Knollenbegonie die gute Eigenschaft, immer ziemlich kompakte, in sich geschlossene Wurzelballen zu bilden. Das kommt uns ganz besonders zu gute, sobald wir die im vollen Wuchse befindlichen Pflanzen aus irgend welchem Grunde anders wohin bringen wollen. Ohne viel Umstände wird mit einem Spaten der Ballen vorsichtig herausgehoben und fortgetragen oder in einen Topf gesetzt. Ist ein etwas trüber Tag gewählt, und nachher noch tüchtig angegossen, so sieht man den Pflanzen kaum an, daß sie gewandert sind.
Das Verpflanzen der Topfexemplare während der Blüte erscheint uns bei solcher Zähigkeit nur ein Kinderspiel. Es ist aber, wollen wir ungewöhnlich hübsche Pflanzen im Topfe ziehen, öfters notwendig . Die Topfpflanzen lassen im Herbst ohne besondere Hilfe im Blühen nach und geben so den Zeitpunkt an, wo wir sie in die Winterruhe eintreten lassen müssen.
Lange hatte man nur Knollenbegonien mit einfachen Blüten. Jetzt gibt es viele gefülltblühende. Sie machen sich im Zimmer schöner als die einfachen, draußen taugen sie nichts. Die gefüllten Begonien haben den Nachteil, daß ihre Blüten zu schwer sind, und von den Pflanzen niemals aufrecht, immer hängend getragen werden. Man muß sie also von unten betrachten, wenn man sie ordentlich besehen will.
Die Vermehrung der Knollenbegonien geschieht aus zweifache Weise. Die leichteste Vermehrungsart ist die durch Zerschneiden der Knollen. Vor dem Einpflanzen im Frühjahre sucht man sich die schönsten und stärksten Knollen aus und zerschneidet sie in Viertel, Fünftel, selbst Achtel kann man von sehr starken Knollen machen, doch sind größere Stücke besser als kleine. Bedingung für das Gedeihen der Knollenstücke ist das Vorhandensein von Knospen aus der den Wurzeln entgegengesetzten Seite. Oft sind diese recht schwer zu sehen, und wer nicht sicher ist, tut besser daran, die Knolle an einen wärmeren Ort, natürlich in etwas Erde, zu bringen, und abzuwarten, bis die Knospen größer geworden sind. Damit die einzelnen Begonienstücke nicht faulen, werden sie in Kohlenstaub umgedreht, besonders die Schnittflächen, und dann, nachdem sie einen Tag gelegen haben, in etwas sandige Erde gepflanzt, ganz wie unzerschnittene Knollen. Etwas Verluste gibt es, manchmal treiben Stücke auch erst nach einigen Monaten aus, doch darin wird man sich finden bei dem im allgemeinen sicheren Erfolge.
Die Zucht aus Samen beginnt im Februar. Die auf Sand ausgestreuten feinen Körner erhalten keine Bedeckung, wohl aber wird über den Topf eine Glasscheibe gelegt. Bei einem warmen und stets feuchten Stande dauert es ungefähr 14 Tage bis 3 Wochen, ehe die zarten Keime kommen. Das Verstopfen der jungen Pflanzen geschieht bald in sandige Heideerde und ist oft noch 2 bis 3, ja 4 mal notwendig . Wer die mit 3-4 Blättchen versehenen Pflänzchen in ein Mistbeet aussetzen kann, erhält schon bald Blüten. Im Topfe geht es nicht so schnell. Junge Begonien faulen anfangs
leicht; das Gießen muß deshalb vorsichtig geschehen. Nach dem ersten Verstopfen deckt man den Topf noch einige Tage mit einer Glasscheibe zu, entfernt dieselbe aber dann allmählich. Die Anzucht aus Samen macht etwas Schwierigkeiten, doch was vermag man nicht, wenn man will und vor allem Liebe zur Sache hat.







