Helenes Garten

Eine alte Welt


9.58 Imantophyllum – Clivia- Riemenblatt


Diese Pflanzen wählte man vor mehr als 100 Jahren für die Wohnung aus. - Lesen Sie mehr in der Pflanzenübersicht

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9.58 Imantophyllum – Clivia- Riemenblatt

Man müßte die Clivia in jedem Zimmer finden, denn ihre Ansprüche sind gering, ihre Dankbarkeit aber ist groß. — Alljährlich einmal, oft zweimal treibt die Pflanze, welche im Äußeren einige Ähnlichkeit mit der Amarylliz hat, ihre Blütenstiele; junge, schwache Pflanzen bringen ein oder zwei Stiele, starke acht bis zehn und mehr.

Auf diesen Stielen steht eine ganze Zahl Knospen, die allmählich aufblühen und dadurch die Blütezeit der Pflanze ungemein verlängern. Drei, oft vier Wochen kann man sich an den großen, aufrechtstehenden, orangefarbenen Blumen erfreuen.

Das Riemenblatt wächst nicht sehr schnell. Wenn es im Jahre 5 Blätter getrieben hat, so ist es sehr fleißig gewesen; dafür sind die festen, lederartigen, dunkelgrünen Blätter aber auch dauerhaft und werden alt. Wir bekommen auf diese Weise doch recht bald beblätterte Pflanzen, und da das Riemenblatt außerdem noch alljährlich aus seinem Wurzelhalse mehrere Ausläufer treibt, so ist es gar nichts seltenes, Pflanzen zu finden, die einen halben Meter Durchmesser haben, also auch recht buschig sind.

Die Schößlinge geben schöne neue Pflanzen. Man darf sie nur nicht gleich abreißen, sondern muß sie mindestens ein oder zwei Jahre an der alten Pflanze belassen, damit sie kräftig genug werden und 4-5 Blätter haben. Zu früh abgerissene oder abgeschnittene Sprößlinge faulen leicht. Beim Abschneiden ist auf die Wurzeln acht zu geben, sie sind dick, fleischig und vertragen keinen Schnitt.

So weit es geht, sollen sie ohne jede Verletzung bleiben. Die dicken, oft recht langen Wurzeln zwingen uns, beim Einpflanzen des abgerissenen Neulings schon ziemlich große Töpfe zu verwenden. Damit es aber der jungen Pflanze darin nicht angst und bange werde, benutzen wir vorläufig keine schwere Erde. Wir machen uns ein Gemisch aus Heideerde, Laub und Sand, tun, wenn sie gerade zur Hand sind, aus Vorsicht einige Holzkohlenstücke dazwischen, geben gute Unterlage im Topfe und überlassen dann die neue Imantophyllumpflanze ihrem Schicksal an einem Fenster, welches in der Sonnenzeit beschattet werden kann. Anfangs gebraucht sie hier wenig Wasser, später wohl etwas mehr - viel vorläufig niemals. Das ist eigentlich aber auch alles, was wir der Pflanze zu gute kommen lassen müssen. Sie hilft sich, wenn sie am Fenster stehen bleibt, schon selbst weiter. Ungeziefer verschmäht ja ihre dicken Blätter - und etwas trockene Luft oder ein ganz wenig Staub sind nicht von allzu großem Nachteil — nur draußen will das junge Riemenblatt nicht stehen.

Das Riemenblatt überwintert sehr gut im Wohnzimmer am hellen Fenster und bringt oft schon im Januar die ersten Blüten. Freilich, von einem neu eingesetzten Sprößling können wir solches nicht verlangen. Im ersten Jahre ist er noch zu schwach zum Blühen, erst im zweiten, manchmal auch erst im dritten Jahre ist die Pflanze so weit erstarkt, daß sie Blüten bringen kann.

Im zweiten Jahre muß natürlich bei der jungen Pflanze trotz ihres großen Topfes das Versetzen vorgenommen werden; nun nicht mehr in leichte Erde, sondern in recht kräftige Gartenerde oder Mistbeeterde.

Der Topf soll nicht viel größer sein, ohne Vergrößerung geht es ja da wir an den Wurzeln, wenn sie gesund sind, nicht schneiden dürfen - kaum ab. Nur eine sanfte Lockerung – ein Hervorheben oder Hervorziehen der Wurzelspitzen mit flachem Lockerholz ist gestattet, ja notwendig. Ältere Pflanzen brauchen nicht in jedem Jahre umgesetzt zu werden, es genügt, dies in dreijährigen Zeiträumen zu tun. Sie kommen über Sommer hinaus an einen leicht schattigen oder der vollen Sonne ausgesetzten Ort oder auch ans offene Fenster. Sommer und Winter gebrauchen große Pflanzen viel Wasser. Am größten ist das Wasserbedürfniß vor der Blüte. Trotz Winterszeit ist dann sogar ein Dungguß sehr genehm. Unvorteilhaft ist das Stehenlassen der Blütenstengel nach der Blüte. Es bilden sich Samen, die unnötig viel Kraft verbrauchen und die nächstjährige Blüte schwächen.

Wer es vorzieht, sich sein Riemenblatt aus Samen zu erziehen, begegnet nicht gar zu großen Schwierigkeiten. Nur muß er frischen, keimfähigen Samen haben, älterer Same keimt nicht mehr. Die aus Samen gezogenen Pflanzen gebrauchen bedeutend mehr Zeit bis zur Blüte, als die aus Sprößlingen. Sie wollen auch eine behutsamere Pflege, besonders mehr Wärme und mehr Feuchtigkeit. Kann man die Pflänzchen im ersten Sommer in den Grund eines warmen Frühbeetkastens auspflanzen, dann wachsen sie sehr rasch und haben auch fürderhin einen kräftigen Trieb, sonst aber sieht es mit dem Wachstum bedenklich aus und es vergehen oft 4 bis 6 Jahre, ehe die erste Blüte kommt.

 

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