9.51 Filices - Farne
Alle Farne sind mehr oder minder Kinder des Waldes und daher gewöhnt an reine frische Luft, an feuchte Luft, und wenn die Arten dem Tropenlande entnommen sind, an Wärme. Da unsere Zimmer diese für sie bedeutendsten Lebensbedingungen nicht bieten können, so ist damit den Farrnen in ihrer Gesammtheit als Zimmerpflanzen das Urteil gesprochen; sie passen nicht ins Zimmer. Nur einige wenige ungemein harte Arten haben sich durch ihre Zähigkeit im Zimmer ausdauernd bewiesen. In erster Linie Asplenium Belangeri mit hübschen dunkelgrünen Blättern. Das Asplenium habe ich in guter Gartenerde vortrefflich gedeihen sehen. Die Hauptsache bei der Pflege ist, daß Wasser niemals fehlt. Die Pflanze geht zwar bei einmaligem Wassermangel nicht gleich ein, sie verliert aber Blätter und kommt sehr zurück. Außerdem ist darauf zu achten, daß das Asplenium nicht der Ofenwärme ausgesetzt ist und keinen zu hellen Stand erhält. Zwischen anderen Gewächsen, Palmen, Dracaenen etc. unbeengt stehend, entwickelt es sich am vorteilhaftesten. Greller Sonnenbrand tödtet die Blätter, die bei den n Wedel genannt werden.
Interessant ist es, daß das Asplenium Belangeri auf seinen Blättern zuerst kleine Verdickungen bildet und daraus junge Pflänzchen hervorwachsen läßt. Man braucht sich um die Vermehrung deshalb nicht viel Sorge zu machen; die jungen Pflänzchen wachsen weiter, wenn man sie wie junge Sämlingspflanzen behandelt und in eine Schale stopft.
Je jünger die Pflanzen sind, desto empfindlicher zeigen sie sich gegen grelles Licht. Im möglichst dichten Schatten aufgestellt und natürlich im Gießen nicht vergessen, wachsen sie langsam aber stetig heran.
Ein naher Verwandter, Asplenium falcatum , sichelförmiges Asplenium, verträgt ebenfalls die Zimmerluft und will gleiche Behandlung.
Außerdem fand ich sehr hart und gut Pteris serrulata und Pteris cretica mit hübschen, tiefgeschlitzten Blättern, sowie Neprolepis mit langen schlanken Wedeln. Es lohnt sich jedoch nicht kleine Pflanzen ins Zimmer zu nehmen, auch ist beim Ankauf der Pteris insofern Vorsicht geboten, als man nicht Pflanzen kaufen darf, die viele neue, hellgrüne Blätter haben und im Warmhause bei hoher Wärme gezogen worden sind. Die jungen Blätter fallen fast immer der Stubenwärme zum Opfer, und die sehr warm kultivirten Pflanzen gehen oft ganz ein.
Alle drei lieben im Winter einen hellen Stand, dicht am Fenster, im Sommer dagegen ziehen sie sich gern zurück, dann ist ein schattiger Stand ihren Blättern und ihrem Wuchs zusagender; Die Vermehrung geschieht durch Teilung. Im Gewächshause; Wachsen aus Sporen - wirkliche Samen gibt es bei den n nicht, denn die auf der Unterseite der Blätter sitzenden schwarzen oder braunen Pünktchen entwickeln selbständige Pflanzen, sogenannte Protallien, aus denen erst das wirkliche Farrn hervorgehen kann zwar leicht neue Pflanzen hervor, aber im Zimmer können wir uns solche Mühe sparen, es würde doch nicht gelingen, durch eine Aussaat etwas Lohnendes zu gewinnen.
Am liebsten wachsen die Pteris in einer lockeren, nahrhaften Heideerde, doch auch Mistbeeterde ist beim Verpflanzen verwendbar.
Große Töpfe sind nie dienlich; wenn wir umpflanzen, müssen wir aber stets darauf sehen, daß die feinen schwarzen Wurzeln, die mancher oft wegen ihres schwarzen Aussehens für tot erklären möchte, mit einem Hölzchen leise gelockert werden. Nur dadurch wird das Umpflanzen nutzbringend. Bei nicht gelockerten Wurzeln können die Pflanzen ein ganzes Jahr im Topfe stehen, ohne auch nur Anstalten zu machen, in den neuen Boden einzudringen.
Ein sehr hübscher Farn ist Adiantum Cuneatum . Ich habe, dasselbe längere Zeit im Zimmer gepflegt und mich über die Hartnäckigkeit gewundert, mit der es immer wieder seine graziösen, nie gelb werdenden Wedel trieb, doch werden diese Wedel nicht so lang wie bei den Stöcken, die im Warmhause gehalten werden.
Als Zimmerpflanze in ausgedehnterem Maße möchte ich dieser Farn aber doch nicht empfohlen haben; nur dem, der eine ungemeine Ausdauer 'hat, der immer und immer wieder sich auch den wenig dankbaren Gewächsen mit voller Liebe zuwendet, kann es gelingen, wirklich Erfreuliches zu erzielen. Erde: leichte Heideerde. Unten in den Topf auf die Scherben legt man mit Vorliebe einige Brocken ganz losen Trof. Die Wurzeln wachsen ungemein gern hinein.








