Helenes Garten

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9.52 Fuchsia - Fuchsie.


Diese Pflanzen bevorzugte man vor mehr als 100 Jahren als Zimmerpflanzen. - Lesen Sie mehr in der Pflanzenübersicht

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9.52 Fuchsia - Fuchsie.

Fuchsien gedeihen fast allenthalben. Sie wachsen draußen ausgepflanzt oder mit dem Topfe eingesenkt im Halbschatten und in vollster Sonne. Sie entwickeln sich, in Töpfen stehend, leidlich auf dem Balkon und dem Fensterbrette, werden aber dort ganz vorzüglich, wenn sie in Kästen ausgepflanzt sind und so mehr Nahrung und mehr Feuchtigkeit erhalten. Im Zimmer wachsen die Triebe der Fuchsien immer etwas länger, haben auch die Blüten nicht das feurige Kolorit, doch mild, wohlthuend, fast demüthig ist alles an ihnen.

Es gibt ja selbst einige Sorten, die ihre Zweige vonNatur nach unten wachsen lassen, gleich Trauereschen oder Trauerweiden, und die deshalb Trauerfuchsien genannt werden.

Die Fuchsien gebrauchen im Winter nicht viel Pflege. Sie können dann mit den Töpfen oder ohne Töpfe im Keller stehen, wo sie nur wenig Wasser bedürfen; ihre Wurzeln müssen im letzteren Falle aber in Erde eingepackt werden. Auch bei einem Stande im kalten Zimmer ist das Verlangen nach Wasser nicht groß. Selbst im Wohnzimmer halten sich Fuchsien über Winter, doch ist dieser Aufenthalt ihnen nicht gerade dienlich. Die Pflanzen treiben hier den ganzen Winter nur lange, dünne Zweige, welche sich kaum selbst halten können und entkräften sich soweit, daß sie später im

Frühjahre keinen ordentlichen Trieb hervorzubringen vermögen.

Im Frühjahre, vor dem Verpflanzen, müssen wir jede Fuchsie mehr oder minder zurückschneiden, damit sie viele Äste bildet und nicht unten kahl wird. Ängstlich brauchen wir bei solchem Schnitte nicht zu sein; bis auf Fingerlänge dürfen wir die im vorigen Jahre gewachsenen Triebe fortschneiden, manche sogar, stehen sie zu dicht, ganz fortnehmen. Auch später, bei den neugewachsenen Trieben, ist ein Schnitt nicht unnütz. Wenn man hin und wieder die Zweige entspitzt, damit die Seitenaugen austreiben, bekommt man schöne, buschige Pflanzen. Es verzögert sich durch das Entspitzen zwar die Blüte, sie wird aber nachher soviel schöner.

Datz Verpflanzen geschieht in kräftige Gartenerde oder Mistbeeterde. Um den Wuchs noch üppiger zu gestalten, ist etwa 4 bis 5 Wochen nach dem Verpflanzen die erste Düngung am Platze Kuhdung, Blut, weniger Guano, besser dagegen Hornspahnwasser allwöchentlich ein- oder zweimal.

Fuchsien werden vom Frühjahr bis zum Herbst aus den schon etwas holzig gewordenen jungen Trieben vermehrt. Eine Glasglocke ist zur schnelleren Bewurzelung sehr dienlich. Die durch die frühere Vermehrung gewonnenen Pflanzen lassen sich nicht allein buschförmig ziehen, auch zu Hochstännnen und Pyramiden von 1m Höhe können sie im Sommer heranwachsen, wenn wir kräftig treibende Sorten gewählt haben und es verstehen, den Wuchs tüchtig zu beschleunigen.

Um Hochstämme zu ziehen, müssen die Stecklinge bereits im März Wurzeln gemacht haben und einzeln in Töpfe gepflanzt werden können. Sobald ihre Töpfe nur leicht durchwurzelt sind, erhalten die Pflanzen schon größere -zwei Nummern etwa größere - und einen Stab. Das Anbinden geschieht sehr lose, damit es das Wachstum nicht hemmt. Alle Seitentriebe werden fortwährend entspitzt, immer auf zwei Augen. Sie sollen vorläufig noch durch ihre Blätter mithelfen, die Nahrung zu verarbeiten; später, wenn der Stamm dick genug geworden ist, werden alle Seitenäste fortgeschritten.

Im März, April und Anfang Mai ist noch auf recht hellen Stand der jungen Fuchsien zu sehen. Später, wenn die Sonne höher kommt und stärker wirkt, sollten wir die zu Hochstämmen bestimmten Pflanzen nicht mehr der vollen Sonne ausetzen. Unter der Einwirkung starker Sonnenstrahlen fangen sie wohl an, reichlich zu blühen, aber hören auf, rasch zu wachsen. Zum raschen Wachsthum zwingt sie ein halbschattiger, feuchtluftiger Stand im Zimmer oder im geschützten Garten unter hohen Bäumen. Solch einen Platz müssen wir deshalb auf jeden Fall für die zu Hochstämmen be-

stimmten Fuchsien aussuchen. Hat der Stamm nun nach öfterem Umpflanzen die uns zur Krone genehme Höhe von 1m oder 1,5m erreicht, so wird er entspitzt und aus den oberen 5-6 Seitentrieben wird die Krone gebildet.

Viele schwachwachsende Sorten die wir auch gern hochstämmig haben möchten, können wir nicht so gut in gleicher Weise ziehen. Ihr Stamm bleibt dabei zu dünn und wird nicht fähig, eine große Krone zu tragen. Da helfen wir uns durch Veredelung dieser schwachwachsenden Sorten auf raschtreibende, und zwar geschieht die Veredelung in Kronenhöhe. Um veredelt werden zu können, muß die raschwachsende Fuchsie- hier also der Wildstamm - etwas höher wachsen, als sie es bei der eigenen Kronenbildung nötig hat, denn der Stamm muß dort, wo veredelt werden soll, schon fast bleifederstark sein. Die Veredelung durch Pfropfen in die Rinde oder in den Spalt. Das Pfropfen in die Rinde: Es wird in der Veredelungshöhe der Wildstamm abgeschnitten, die Rinde auf einer Seite 2-3cm lang mit senkrechtem Schnitt vorsichtig durchgeschnittene Fuchsie aufgeschnitten, aber nicht mehr als die Rinde, die Rinde dann nach beiden Seiten etwas hoch gehoben und ein Fuchsien-Reis untergeschoben. Das Reis ist etwa so lang wie ein Steckling, auch so jung. Unterhalb des untersten Auges wird es mit scharfem Schnitte schräg abgeschnitten, so daß ein 2-3 cm langer, schräger Schnitt entsteht und die Knospe auf der anderen Seite etwa in der Mitte des Schnittes sich befindet.

Nachdem das Reis eingeschoben ist, wird mit Bast oder Wolle die Veredelung verbunden und ein Glaszylinder übergestülpt. Beim Pfropfen in den Spalt wird nicht die Rinde gelöst, sondern der Stamm einige cm quer durchgespalten und in diesen kurzen Spalt das aus beiden Seiten wie ein Keil zugeschnittene Reis hineingeschoben.

Ist das Reis etwas verholzt, so können wir ihm alle Blätter lassen, ist es noch ganz krautig, so tun wir gut, die Blätter etwas zu reduzieren, damit sie nicht so viel Wasser verdunsten. Bei diesen Veredelungen kommt es sehr daraus an, daß sie rasch gemacht werden. Sie wachsen verhältnißmäßig gut. Am besten stehen die Pflanzen im Gewächshause oder im Zimmer, doch auch im Freien gelingt die Veredelung, wenn sie nicht durch sehr austrocknende Winde gestört wird.

Rasch wachsende Fuchsien, die sich sowohl zu Kronenstämmen als zum Wildstamm eignen, sind: Arabella, Rose of Castill Im Zimmer sind hochstämmige Fuchsien nicht so gut verwendbar wie im Freien, aus Rasen als Einzelpflanzen oder auf Rabatten in gleichen Abständen. Hat man dann nicht vergessen, die einzelnen Stämme durch Festons mit Pilogyne suavis oder Cobaea oder Passiflorea, zu verbinden, so gewähren sie wirklich einen selten schönen Anblick und können fast mit unseren Rosen in Wettbewerb treten.

Fuchsien tragen leicht Samen, wenn man die abgeblühten Blumen nicht fortnimmt. Der Samen — es sind dicke, schwarze Beeren — sieht ganz niedlich aus, er entkräftet aber die Pflanze zu sehr und hindert eine andauernde Blüte. Aus dem reifen Samen lassen sich ziemlich leicht junge Pflanzen ziehen, man braucht nur die Beeren in sich verfaulen lassen und dann die kleinen Körnchen aussäen. Wem es Vergnügen macht, gerade eine aus Samen gezogene Fuchsie zu besitzen, wird sich diese Mühe nicht verdrießen lassen.

Fuchsiensorten gibt es eine große Zahl. Es sind ohne Zweifel die einfach blühenden im Zimmer die dankbarsten. Sie blühen den ganzen Sommer hindurch, wenn man nicht vergißt, die Zweige hin und wieder zu entspitzen. Gefüllt blühende Fuchsien wachsen nicht so üppig und blühen im Verhältnis zu den einfachen im Zimmer auch bei Weitem nicht so dankbar. Gute einfachblühende Sorten sind: Rose of Castill. Arabella, gefülltblühende: Le vainceur, Frau Emma Töpfer, Christof Columbus

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