9.54 Gloxinie - Gloxinie
Mit meiner Gloxinie muß ich stets ganz besonders vorsichtig umgehen, denn sie ist eine gestrenge Herrin, sie bringt schlechte Blätter, krüppelige Blüten, sobald nur etwas in ihrer Pflege versäumt wird, und doch mag ich die Gloxinie nicht entbehren. Sie hat gar zu seltene Reize und weiß durch ihre sammtnen, großen grünen Blätter, ihre herrlichen Blüten, immer von neuem zu fesseln.
Die Pflege beginnt mit der Aussaat des Samens oder dem Legen der Knollen. Letzteres ist dankbarer, die Samenzucht schwieriger - und unsicherer.
Wenn der Februar sich zu Ende neigt, suche ich meine Gloxinienknollen hervor. Sie haben bis dahin in ihren Töpfen an einem trocknen, 8-13°C warmen Orte gestanden, und teilweise auch wohl schon etwas getrieben. Ihre alte Erde wird abgebröckelt, alle schlechten Wurzeln werden sorgfältig abgeschnitten und dann die Knollen von neuem eingepflanzt, in reine Töpfe, die nicht oder doch nur wenig größer sind als die alten. Die Erde besteht aus Heideerde und ist fast zum Drittel untermischt mit Kuhdung, strohfreiem Kuhdung, welcher im Winter auf Haufen gestanden hat und sich jetzt fein zerreiben läßt. Viele mischen auch Holzkohle zwischen die Erde und legen außer den Scherben auf das Abzugsloch noch Holzkohlenstückchen, ich halte daö nicht für nötig. Wenn mir die Heideerde absolut nicht zugängig ist, werde ich die Gloxinie sogar ohne Bedenken in Mistbeet- oder gute Gartenerde seten. Datz Wachstum ist darin nur nicht so rasch und so üppig.
Bild fehlt noch.
Gloxinienpflanze und aus-treibende Knolle.
Beim Pflanzen kommt die Gloxinienknolle nicht ganz in die Erde, sie muß oben mit derselben abschneiden.
In der ersten Zeit brauchen die Knollen wenig Aufmerksamkeit, sie müssen nur einen guten, hellen, warmen Stand haben und sehr wenig Wasser. Erst wenn aus der Knolle die Wurzeln vorgeschickt sind, nach etwa 14 Tagen, ist ein regelmäßigeres Gießen geboten. Der Wasserverbrauch nimmt dann stetig mit der Entwicklung der Pflanze zu. Im gleichen Maße muß auch eine Beschattung der Pflanze eintreten durch eine Gardine oder ein Stückchen Seidenpapier. Die zarten, wolligen Blätter verbrennen sonst leicht. Nur ein einziges Mal darf es vergessen sein, die Mittagssonne abzuhalten oder später im April, Mai die Morgensonne von 9, 10 Uhr ab, und die ganze Pflanze ist verdorben. Es sind die Blätter eingeschrumpft oder mit großen, gelben, häßlichen Flecken versehen. Das Wachstum ist dahin, spärlicher erscheinen die Blüten und weniger ansprechend sind sie, weil ihnen der Untergrund fehlt, die saftig grünen Blätter.
Gloxinien sollen den ganzen Sommer im Zimmer stehen und zwar an einem Fenster, welches nicht zu oft gelüftet werden braucht. So dienlich ihnen frische Luft ist, so schädlich ist sie, wenn sie direkt auf die Pflanzen trifft und nicht durch ein anderes Fenster eingelassen wird. Obgleich man bei Gloxinien sehr nahrhafte Erde verwendet, kann man doch mit flüssigem Dung gießen, wenn die Pflanzen kräftig vorwärts treiben und die ersten Blütenknospen sichtbar sind. Kuhdung ist am zusagendsten. Beim Düngen dürfen nicht die Blätter mitgegossen werden; ihre feinen Haare halten alles fest. Häufiges Bespritzen der Pflanze, obgleich nicht schädlich, ist aus demselben Grunde zu verwerfen.
Sind die Gloxinien durch alle Fährlichkeiten glücklich hindurch gebracht und sind die ersten Blüten in ihrer schönsten Pracht dahin, so ist der Höhepunkt des Glanzes vorbei und geht es allmählich wieder abwärts. Kleiner werden die Blüten, spärlicher kommen sie und es wird Zeit durch langsames Entziehen des Wassers die Gloxinien zur Ruhe zu bringen.
Vor allem darf dies nicht schnell geschehen. Die Knolle kann sonst nicht gut durchwintern, sie verfault oder vertrocknet. Es ist nicht nötig, der absterbenden Pflanze ihren guten Platz zu lassen, ein wenig weiter vom Fenster zu stehen ist für sie in dieser Zeit ebenso dienlich. Bis zum Herbste sind die Blätter gänzlich abgetrocknet und hat das Gießen vollständig aufgehört. Die Knollen kommen jetzt mit ihren Töpfen wieder an einen trockenen, 8-13°C warmen Ort und bleiben dort so lange, bis das Ende des Winters mahnt, sie einzupflanzen.
Um Gloxinien aus Samen zu ziehen, muß man den ungemein feinen Samen behutsam auf Sand oder Heideerde aussäen. Die Oberfläche des Samentopfes ist vorher recht glatt zu ebnen und sind die feinen Samenkörner nicht mit Erde zu bedecken. Dafür aber kommt eine Glasscheibe über den Topf. Bei regelmäßiger Feuchtigkeit und bei einem Stande in dem im Kapitel Aussaat (Buch S. 33) abgebildeten Kasten keimen die Samen ziemlich in etwa 12 bis 20 Tagen. Sie müssen schon bald darauf pikirt werden in Schalen und dann noch umgestopft, um rasch heran zu wachsen. Ist der Same aber nicht im Februar ausgesäet, gelingt es selten, noch im ersten Jahre Blüten zu bekommen, es sei denn, daß man einen Mistbeetkasten benutzt und die Gloxinienpflanzen, wenn sie 3-4 Blättchen getrieben haben, darin ausgepflanzt hat.
Heideerde ist aber in diesem Kasten durchaus notwendig zum Gedeihen der Pflanze, ebenso peinliches Beschatten und Lüften. Sobald sich Blütenknospen zeigen, kann man die Pflanzen in Töpfe setzen, doch müssen sie, eingepflanzt, auf mehrere Wochen noch wieder in den lauschigen, warmen Kasten zurück, bevor ihre Verwendung im Zimmer möglich ist.
Ich würde die Zucht der Gloxinien aus Samen nur dem empfehlen, der sich den jungen Pflanzen mit ganzer Liebe widmen kann. Ohne außerordentliche sorgsame Pflege wird keine Pflanze groß.








