9.29 Cheiranthus Cheiri Goldlack
Der Goldlack ist mehr eine Gartenpflanze. Weil aber seine kastanienbraunen Blüten und sein herrlicher Duft so überaus anziehen, so hat man ihn zu einer Zwitterstellung gezwungen.
Auf sonnigem, gut bearbeitetem Gartenbeet muß er über Sommer heranwachsen und naht der Herbst, dann muß er es sich gefallen lassen, in Töpfe gepflanzt und ins Zimmer gebracht zu werden. Bei der Überwinterung hat man freilich oft Missgeschick.
Der dem Freien entnommene Lack muß zuerst, so lange es die Witterung gestattet, im Freien bleiben. Die frische Luft und die kühle Temperatur sind ihm sehr dienlich. Lassen die Fröste ein längeres Verweilen nicht mehr zu, dann ist es wiederum nicht das warme, sondern das kalte, luftige Zimmer, welches ihn aufnehmen muß. Selbst ein trockner luftiger Keller genügt oft und ist bei weitem der Wärme des Wohnzimmers vorzuziehen.
Das Gießen der Stöcke ist nur zeitweilig notwendig. Nicht zu trocken und auch nicht zu nass darf die Erde werden. Trockne Blätter oder das weit schlimmere Abfaulen der einzelnen Triebe belehrt sonst bald, daß in der einen oder der andern Hinsicht gefehlt worden ist. Öfteres Lüften des Zimmers oder des Kellers bei mildem Wetter kann das Übel wesentlich mildern, und ist für die dauernde Gesundheit des Goldlacks unumgänglich notwendig.
Es ist nicht erforderlich, den Lack den ganzen Winter hindurch im kalten Raume, wo das Thermometer ohne Schaden bis auf 6°C sinken darf, zu lassen. Die Stöcke vertragen es späterhin auch, getrieben zu werden. Ende Januar, besser freilich erst Mitte Februar, dürfen wir die mit den Knospen am weitesten forgeschrittenen Büsche an das Fenster des Wohnzimmers stellen.
Die Blüten entwickeln sich hier bald und sind dann doppelt angenehm. Für die Zimmerbehandlung sind unstreitig der gefüllte Zwerglack und der neue immerblühende Goldlack die geeignetesten.
Wer hübsch gefüllte Büsche vom ersteren besitzt, macht von den jungen Trieben im Juni Stecklinge, die bei schattigen: Stande leicht ohne Glasglocke wachsen. Sobald sie Wurzeln haben, kommen sie auf ein sonniges Beet bis zum Herbst. Gefüllter Goldlack aus Samen gibt viel einfach blühende Pflanzen. Die Aussaat muß rechtzeitig geschehen, im März, April in sandige Erde, und sind die Pflänzchen, sobald sie einige Blätter getrieben haben, auszusetzen. Einfachblühende Büsche kennt man am hochgehenden Wuchs. Der immerblühende Goldlack ist anspruchsloser und dankbarer. Man zieht ihn nur aus Samen, etwa im Mai-Juni und erhält so Pflanzen, welche im Herbste mit der Blüte beginnen.








