9.81 Punica Granatum - Granatbaum
Betrachten wir uns einmal die Pflege, die dem Granatbaume im allgemeinen zu Teil wird. In großen Kübeln stehen die Pflanzen vor der Tür auf dem Pflaster der Straße, oder in kleinen Töpfen auf dem Balkon des Hauses. Die Erde ist durchgewurzelt, ausgesogen und die Pflanzen treiben deshalb nur schwächliche Triebe, die aber gesund genug aussehen, und den Gedanken an Nahrungsmangel nicht so leicht auskommen lassen. Wenn der Besitzer auch wirklich einmal glaubt, daß Nahrung fehlen könnte, dann tröstet ihn der Gedanke, daß der Granatbaum dadurch gestraft werden soll und nun aus purer Nahrungsnot gezwungen wird, Blüten zu bringen. Doch eitle Täuschung. Der Granatbaum gehört nicht zu den Pflanzen, die sich so bändigen und zwingen lassen. Immer spärlicherer Wuchs, dünner Zweige, eine besenartige Krone ist die Folge, und erst recht gibt's keine Blüten. Ja, jetzt wird es sogar schwierig, den Pflanzen wieder eine so üppige Lebenssreudigkeit beizubringen, wie sie zum Blühen gehört. Es müssen die Kronen sorgsam ausgelichtet werden,
damit alles schwächliche Holz fortkommt, die stärkeren Zweige eingekürzt, auf 3—4 Augen, und dann ist zu verpflanzen. Es geschieht dies im Frühjahre, wenn die Granaten aus den Winterquartieren kommen. Die sehr durchwurzelte Erde wird so gelockert, daß die Wurzeln in langen Strähnen umherhängen und nicht zu große neue Gefäße nötig sind. Jede gute, fette, nahrhafte Erde ist den hungrigen Granaten recht. Nur ordentliche Scherbenunterlage ist sehr sorgfältig herzustellen.
Frisch verpflanzte Granaten dürfen auf keinen Fall einen zugigen Platz erhalten. Recht geschützt, recht warm, recht sonnig, womöglich vor einer Südwand im Freien, da fühlen sie sich wohl, treiben tüchtig und bringen oft im Herbst noch Blüten. Kleinere, Granaten habe ich durch Aussetzen in den freien Grund besser noch als durch Verpflanzen zum Blühen gebracht. Dungguß und Wasser dürfen aber im Sommer den Pflanzen nicht fehlen, ob sie nun im Topfe, im Kübel oder im freien Grunde stehen. Blutdung bewährt sich am besten. Im Herbste muß das Gießen mehr und mehr eingestellt werden; die Granaten verlieren dann wie unsere Bäume das Laub, sobald der erste leise Frost sie trifft. Über Winter stehen die Pflanzen in einem frostfreien trockenen Raume, wo sie weiter keine Arbeit machen; hin und wieder wollen sie mal gegossen werden. Granaten lassen sich durch Stecklinge und durch Samen vermehren. Die Stecklinge werden gemacht, sobald die jungen Triebe etwas braun geworden sind. Sie wachsen aber nur dann im Zimmer, wenn sie recht warm stehen können, womöglich einen warmen Fuß (erwärmten Boden) erhalten. Eine Glasglocke ist gar nicht zu entbehren. Aus Samen werden nur die einfach blühenden Granaten herangezogen. Man veredelt aber die gefülltblühenden Arten gern auf die kleinen Sämlinge durch Einspitzen. Neben der gewöhnlichen Granate, die ja sehr groß werden und ordentliche Bäume bilden kann, gibt es noch eine Zwergform, Punica granatum nanum , welche ebensolche Behandlung verlangt. Diese Art finden wir zumeist in den Zimmern, wo sie schon als kleiner, fußhoher Busch mit Blüten überdeckt prangt.








