9.50 Ficus - Feigenbaum, Gummibaum
Als Gummibaum ist allgemein eine Pflanze bekannt, welche sich infolge ihres geraden Wuchses und lihrer großen, lederartigen, dunkelgrünen Blätter einer großen Beliebtheit erfreut. Prächtige Pflanzen sieht man in den Zimmern: Jahrelang sinnd sie unverdrossen in gleicher Schönheit hochgewachsen, aber auf einmal, wenn sie zu groß geworden sind, wenn die unteren Blatter hinter der Fenstcrwand stehen müssen, die oberen beinahe über dasselbe hinausgewachsen sind, hört das Wachstum auf. Unten werden die Blätter gelb, oben verkrüppeln sie; das ist nicht die Folge mangelhafter Pflege, es ist nur die Folge der Verminderung des Lichtes. Volles Licht, welches von oben auf die Pflanze trifft, ist also e rste Bedingung zum guten Wachstum. Eine zweite ist sorgfältiges Gießen. Der Ficus wächst rasch,Blatt auf Blatt entläuft der Spitze und in jedem neuen Blatte ist die Pflege, welche die Pflanze zur Zeit hatte, ausgedrückt. War sie gering, so ist das Blatt kleiner geworden, war sie sorgsamer, als früher, so wird uns ein größeres entzücken. Unregelmäßiges Gießen bringt sofort kleinere Blätter, weil die Wurzeln dabei nicht die gehörige Nahrungsmenge schaffen können:
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Im Gummibaumsteckling im Glase und Blattsteckling oder gar etliche kleine fertig gemacht zum Einstecken in die Erde.
Blätter nehmen der Pflanze mehr als die Hälfte ihrer Schönheit. Ein Blatt muß sein wie das andere, gleich grün, gleich eben, dabei die oberen immer größer als die unteren, so verlangen wir es von einem wirklich schönen Gummibaum. Gummibäume kann man, wenn sie schlecht geworden sind, nach Belieben zurückschneiden und so Kronenbäume ziehen, oder von unten auf neuen Trieb schaffen. Die abgeschnittenen Teile lassen sich zur Vermehrung benutzen, welche ziemlich zeitraubend ist, aber doch verhältnißmäßig sicher gelingt. Wir vermehren den Gummibaum nur durch Stecklinge, und zwar durch Triebspitzen mit 2-4 Blättern, oder durch Blattstecklinge mit einem Blatt; letztere wachsen im Zimmer schlecht.
Stecklinge aus Triebspitzen werden nicht gerne in Sand oder Erde gesteckt; in einer Medizinflasche mit Wasser machen sie bedeutend bessere Wurzeln. Der Steckling muß jedoch stets ins Wasser reichen, das Wasser auch immer rein sein; ein Stück Holzkohle, das hineingeworfen wird, sorgt dafür. Am Fenster im Halbschatten steht die Flasche gut. Nach
4-6 Wochen bilden sich hier die ersten Würzelchen und wachsen in das Wasser hinunter. Sobald sie halbfingerlang geworden sind, wird die Flasche zerschlagen und der junge Gummibaum in einen kleinen Topf gepflanzt, doch so vorsichtig, daß keine Wurzel abbricht.
Anfangs ist etwas leichte Erde, Lauberde besser, später aber bedarf der stärker bewurzelte Gummibaum kräftigerer Koft. Er wird, sobald die Wurzeln sich am Topfrande zeigen, verpflanzt, bleibt dann noch ein paar Tage im Zimmer stehen und kommt daraus, wenn es die Witterung, Mitte Juni, erlaubt, ins Freie, erst schattig, später aus das wärmste, sonnigste Beet, welches wir im Garten haben. Die Sonne gibt den jung hervortreibenden Blättern einen duftigen rotbraunen Hauch und der ganzen Pflanze etwas Kerniges.
Besitzen wir keinen Garten, so bleibt der Ficus im Zimmer. Auch hier entwickelt er sich recht schön, dicht am Fenster muß er aber stehen.
Kuhdung, Blut, das sind Dünger, welche der raschtreibende Ficus liebt und die er, größer geworden, allwöchentlich einmal bekommen kann. Im Winter ziehe ich es stets vor, den Gummibaum an einen kühlen, hellen, Ort zu bringen, damit er nicht treibt. Im Wohnzimmer müssen wir es nur zu oft erleben, daß sich auch im Winter neue Blätter bilden, die dann, weil das Licht im Winter zu gering ist, klein bleiben. Frost ist dem Gummibaum schädlich. Haben wir es einmal versäumt, ihn in einer kalten Nacht vom Fenster fortzustellen, und sind seine Blätter an die Scheiben gefroren, so ist in den weitaus meisten Fällen die Pflanze verdorben. Es werden die Blätter braun, fleckig, der Spitzentrieb hört auf und nur aus den Seitenaugen kommt spärlicher Trieb. Zu Stecklingen sind diese Triebe aber verwendbar. Außer dem Gummibaum, Ficus elastica , haben wir noch mehrere Ficusarten. Davon gedeihen im Zimmer Ficus orientalis und Ficus scandens, sowie Ficus stipula. Ficus orientalis hat auch dicke glänzende Blätter, aber sie sind nur klein, nicht größer als ein Apfelblatt, und außerdem hat er nicht den imposanten, geraden Wuchs. Schon von jung an zerteilt sich der orientalische Gummibaum und bildet immer mehr einen Strauch.
Ficus scandens hat ziemlich große runde Blätter und schlanke Zweige. Er eignet sich für Ampeln und macht sich in denselben recht gut.
Ficus stipula ist ein Kletterer. Sein Stamm ist so dünn, daß er sich allein nicht halten kann, und so kriecht er im Vaterlande an anderen Bäumen empor, um aus ihrem dichten Schatten heraus ans Tageslicht zu kommen, klimmt er sich in unseren Gewächshäusern ohne jede Hülse an der Wand hinauf und berankt und bezieht diese so sehr, daß nicht ein Fleckchen davon zu sehen ist. Dabei hat er eine Lebensfähigkeit, die fast ans Unglaubliche grenzt. Man kann den ganzen Stamm unten an der Wurzel abschneiden, er lebt doch weiter und ernährt sich aus der Wand durch die vielen Klammerwurzeln, welche er hineingeschickt hat. Zur Bekleidung der Zimmerwände läßt sich Ficus Stipula jedoch nicht verwenden - die Wand muß feucht sein, diese Bedingung stellt er - wohl aber wie Ficus scandens als Ampelpflanze; die Zweige, die nicht Halt haben, legen sich dann nach unten und geben ganz reizende Ranken.
Regelmäßiges Gießen, gute Erde und bei starker Sonne Schatten, darin besteht die Pflege. Im Zimmer wird die Ampel stets besser als im Freien, wenigstens als auf dem Balkon, dort ist es zu trocken.








