Helenes Garten

Eine alte Welt


9.57 Hydragea - Hortensie


Diese Pflanzen bevorzugte man auch schon vor mehr als 100 Jahren als Zimmerpflanzen. - Lesen Sie mehr in der Pflanzenübersicht

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9.57 Hydragea - Hortensie.

Leicht und willig treibt die Hortensie ihre Blüten, ohne große Komplimente paßt sie sich den verschiedensten Verhältnissen an. Sie läßt sich als Schmuck der Treppen, der Veranden, der Balkons und Fenster, der schattigsten und der sonnigsten Stellen verwenden, hält draußen, auf Beete im Garten ausgepflanzt und mit Laub, Reisig bedeckt, selbst den Winter im Freien aus. Daß ihr alle diese Standorte nicht gleich lieb sind und sie hier nicht so üppig gedeiht, als dort, ist eigentlich nur natürlich. Am dankbarsten zeigt sich die Hortensie für einen halbschattigen Platz, den sie dauernd inne halten kann. Will man sie anderweitig verwenden, so ist es vorteilhaft, sie hier erst Knospen bilden zu lassen und wenn diese halb aufgeblüht sind, die Pflanze an den andern Platz zu bringen. Während der Blüte verträgt die Hortensie bedeutend mehr als vor derselben, und was das beste ist, wenn sie dann wirklich etwas leiden sollte, so schadet es nicht soviel.

Da die Blüten der Hortensie sich nur an kräftigem Holze bilden und zwar aus den Trieben, welche aus den stark entwickelten Endknospen im Frühjahr hervortreiben, so ist es verfehlt die Pflanze einem wirklichen Schnitte zu unterwerfen; wir würden den Flor nur fortschneiden. Es ist aber geboten in jedem Jahre für kräftig entwickelte Endknospen zu sorgen. Nur die dünnen, schlechttreibenden Zweiglein schneiden wir alljährlich fort, doch nicht etwa nach dem Verpflanzen im zeitigsten Frühjahre, nein, 3 - 6 Wochen später, sobald aus diesen Trieben sich 3-4 Blattpaare entwickelt haben.

Ein solcher schwacher Trieb gibt dann mit einem Stückchen altem Holz geschnitten, den besten Hortensiensteckling. Unter Glas und auch so im Topfe machen diese Stecklinge in einem Zeitraum von 3-4 Wochen Wurzeln. Sie werden im gleichen Jahre noch zu kräftigen Pflanzen, die im nächsten Frühling staunend große Blüten bringen, wenn man sie in den Mistbeetkasten oder auf ein halbschattiges, fruchtbares Gartenbeet aussetzt. Im Herbste können sie in Töpfe kommen oder ohne Töpfe an frostfreier Stelle, im kalten Zimmer, im Keller, Schuppen mit ihren Wurzelballen eingeschlagen werden, d. h. so mit Erde bepackt, daß die Wurzeln alle zugedeckt sind. Die Überwinterung dieser, wie auch älterer Hortensien macht gar keine Schwierigkeiten. Man darf nur hin und wieder nachsehen, daß die Pflanzen mäßige Feuchtigkeit haben und damit ist alles gut. Faulende Blätter zu entfernen gibt es ja nicht, sie sind schon im Herbste nach den ersten kalten Nächten gefallen.

Über die Erde, welche man den Hortensien geben soll, herrscht ein halber Nimbus, und zwar aus dem Grunde, weil ein größerer oder geringerer Eisengehalt derselben macht, daß die Hortensien nicht mehr weiß blühen, sondern vom schönsten Stahlblau hinab bis zum matten Rot. Wer das nicht weiß und Stecklinge von blaublühenden Hortensien plötzlich weiße Blüten treiben sieht, muß freilich erstaunt sein. Übrigens ist Vorsicht geboten, wenn man den Pflanzen Eisen gibt. Man kann sehr leicht des Guten zu viel tun und erhält dann statt gefärbte Blüten braunbrandige Blätter.

Die Eisengaben sind nicht notwendig, sobald eisenhaltige Erde verwendet wird. Künstlich eisenhaltig wird die Erde durch Beimischung von Eisenfeilspänen, die sich ja billig erwerben lassen. Ich verwende 2 Teile Späne, 3-4 Teile Erde. Dasselbe Ergebnis hat man, wenn statt der Späne 2-3 Hände voll Holzkohlenstaub verwendet ist. Häufig wird auch geraten Allaun zu verwenden, doch ist damit große Vorsicht geboten. Allaun schadet den Pflanzen sehr leicht.

Ein besserer Rat ist der, die Hortensien, sobald sie Knospen getrieben haben, mit rostigem Wasser, also solchem, in dem Eisenfeilspäne oder Eisennägel längere Zeit gelegen haben, so oft zu gießen, als das Gießen erforderlich ist.

Gemeinhin findet man nur 2-3 jährige Hortensien, nur hin und wieder einmal begegnet man älteren, großen, buschigen Pflanzen, die dann mit 20-30 und mehr Blüten bedeckt , als Einzelstück auf dem Rasen oder in dem Zimmer ganz ungemeine Wirkung hervorbringen. Diese alten Pflanzen sind eben so leicht zu ziehen, als die jungen. Bei ihnen gibt es aber mehr zu schneiden, weil die alten, schwachen Triebe entfernt werden müssen, und sie lassen sich nicht so gut zum Treiben verwenden, wie einjährige Pflanzen. Das Treiben besteht darin, daß die Büsche im Januar oder auch schon Mitte Dezember aus dem Keller hervorgeholt werden und im Wohnzimmer ans Fenster kommen. Man verpflanzt sie vorher; die Blüten erscheinen in der warmen Zimmerluft im März oder April.

Neben der gewöhnlichen Hortensie gibt es noch eine strauchartige: „Hydrangea paniculata grandiflora“ , die unsern Winter ohne Decke aushält, sich also ganz besonders fürs Freie eignet. Als Topfpflanze hat sie ebenfalls großen Wert und sieht als Kronenstamm gezogen reizend aus. Die Behandlungsweise ist nicht von der vorigen abweichend.

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