Helenes Garten

Eine alte Welt


9. Die besten pflanzen für das Zimmer


Diese Pflanzen bevorzugte man auch schon vor mehr als 100 Jahren als Zimmerpflanzen. - Lesen Sie mehr in der Pflanzenübersicht

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9.27 Kamelie - Camelli - Kamelie

Fast ebenso gekannt und ebenso gepriesen, wie die Königin der Blumen, die Rose, ist die Kamelie; doch ist sie als Zimmerpflanze mehr unser Schmerzenskind geblieben. Sie ist eben reichlich anspruchsvoll. Gleichmäßige, nicht hohe Temperatur, 6, 7, 8, 9 °C ein wenig feuchte, aber recht reine Luft und ein nicht zu sonniger, ruhiger Stand, das sind ihre Forderungen, generell zusammengestellt.

Und die speziellen Bedürfnisse? Sie gipfeln in recht vorsichtigem und regelrechtem Begießen.

Daß es der Kamelie unter diesen Umständen in unseren Wohnzimmern nicht sonderlich gefallen will, ist eigentlich leicht zu verstehen. Wenn wir sie aber von den Alltagskindern dort fortnehmen und sie hinüberstellen in die gute Stube, die nur zu außergewöhnlichen Zeiten eine Veränderung erfährt, dann wird sie uns Freude bereiten. Freilich, zu kalt darf es nicht werden. Bis auf 20 °C kann das Thermometer sinken und die Läden oder Vorhänge dürfen nur geschlossen sein, so lange die Sonne grell in die Stube scheint. Frische Luft ist Hauptsache. Der beste Platz ist für die Kamelie unstreitig das Fensterbrett im Zimmer, zur Noth verträgt sie es

auch einmal etwas entfernter zu stehen. Nach der Blüte werden die Pflanzen, welche mehrere Jahre im selben Topfe gestanden haben, umgesetzt. Kamelien jedes Jahr zu verpflanzen, bringt keinen Vorteil. Man erzwingt wohl einen lebhafteren Trieb, aber selten viele Blüten. Das Auflockern der Wurzeln muß sehr sorgfältig geschehen und jedes Würzelchen, soweit es gut ist, geschont werden, weil die Kamelie kein Übermaß davon treibt. In Folge dessen hat man es auch nicht nötig, bedeutend größere Töpfe zu nehmen.

Kamelien wachsen fast in jeder Erde, gute Mistbeeterde oder etwas lehmige Gartenerde würde ich im Zimmer vorziehen.

Beim Verpflanzen kann man ältere Stöcke ohne Schaden zurückschneiden selbst aus mehrjährigen Holze kommen die jungen Triebe ziemlich willig.

Doch ist es, sollen die Pflanzen zurückgeschnitten werden, ratsam, das Verpflanzen später vorzunehmen und diese Stöcke wärmer zu stellen. Das beschattete Frühbeet ist so recht der Ort, das Wohnzimmer ebenso. Während des Triebes brauchen die Kamelien, wie alle anderen Pflanzen, ziemlich viel Wasser, sobald der Trieb aufhört, weniger, fast darf der junge Trieb welk werden. Solche Trockenheit trägt viel zur Bildung von Blütenknospen bei.

Die Pflege der Kamelie verlangt fortwährende Sorgfalt. Man muß sich zuerst bemühen, Knospen zu erhalten, und sind diese Knospen glücklich da, ist die Sorge, sie zu behalten und zur Blüte zu bringen, noch größer. Je dicker die kleinen Knöspchen werden, das ist das Schlimme, desto empfindlicher werden sie auch, empfindlich gegen Nässe, gegen Trockenheit, gegen unregelmäßige Temperatur.

Da heißt es vor allem ordentlich gießen. Täglich ist es, steht die Pflanze im kühlen Zimmer, kaum notwendig, auch nicht in bestimmten Zwischenräumen, nur im rechten Augenblick, wenn der Ballen anfängt trocken zu werden. Gerade in dieser Zeit ist auch das öftere Umstellen der Pflanze, von einem Platz auf den andern, ein arger Fehler. Wenn die Kamelie ohne jede Berührung stehen bleiben kann, wo sie steht, ist es am besten.

Damit soll nicht ausgeschlossen sein, daß wir unsere Kamelien über Sommer in den Garten, an einen geschützten, schattigen Platz hinstellen und mit dem Topf in die Erde einsenken könnten. Solch ein Aufenthaltsort ist ganz vorzüglich und fast dem im luftigen Zimmer vorzuziehen.

Sehr häufig treiben Kamelien gelbliche Blätter, sehen dann häßlich aus, blühen auch nicht recht. Die Krankheit - Gelbsucht - wird in den meisten Fällen durch zuviel Wasser hervorgerufen. Um das Uebel zu heben, ist ein Verpflanzen geboten, wenn die Erde sauer riecht, und zwar in kleinere Töpfe. Bei guter Erde ist anhaltend wenig Wasser zu geben. Die einmal gelben Blätter werden nicht wieder dunkelgrün.

Auf kranken Pflanzen findet man häufig einen schwarzen Überzug, der anfangs fleckenweis auftritt, später das ganze Blatt gleichmäßig überdeckt, es ist der Rußtau. Er ist aber nicht allein ein Gast bei kranken Kamelien, auch gesunde haben von ihm zu leiden, wenn sie in dunstiger, feuchtkalter Stube oder ebensolchem Garten stehen. Schwamm und Wasser ist das erste Gegenmittel und dann Veränderung der Verhältnisse durch reichliches Lüften oder Wechsel des Standortes.

Die Vermehrung der Kamelien geschieht aus Stecklingen, die erst einen dicken Callus bilden und nach vielen Wochen vielleicht Wurzeln. Empfindliche und schlecht wachsende Sorten werden auch durch Einspitzen auf Robustere veredelt. Doch ist weder das eine noch das andere im Zimmer von besonderem Erfolg.

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