9.61 Laurus - Lorbeer
Lorbeer und Orange, beide sind sie von Alters her mit unserem Leben innig verwachsen. Das Lorbeerreis als Preis des Siegers, - die Orangenblüte als Attribut der keuschen Jungfrau. Während nun die Kultur der Orange immer mehr in den Hintergrund tritt, wird die des Lorbeer allenthalben mehr bemerkbar, weil er sich leichter pflegen läßt und in unseren Gärten, unsern Zimmern durch sein kerniges, dunkelgrünes Blatt ebenso sehr ziert, wie die Orange mit ihrem Laube. Ganz besonders gilt dies von den größeren Pflanzen, die als Einzelstämme auf Rasenplätzen, als Schmuck des Balkons und der Treppen vielfach Verwendung finden; etwas Zäheres als den Lorbeer gibt es hier kaum.
Doch fragen wir, wie kommen wir zu diesen Stämmen, dann ist die Antwort ziemlich unbefriedigend, denn alle großen Lorbeer kommen aus Holland, wo ein milderes Klima die Anzucht besser gestattet.
Aus eigene Hand können wir nur kleinere Lorbeerstämme heranziehen. Die alten Stämme treiben Ausläufer, welche manchmal schon Wurzeln haben und die wir in einen Topf setzen müssen. Außerdem läßt sich der Lorbeer durch Stecklinge vermehren; etwas verholzte Triebe werden dazu verwendet. Das Stecken geschieht im Herbst in Sand oder Erde, ohne Glasglocke. Über Winter steht der Steckling im Wohnzimmer oder in der kalten Stube. Es dauert sehr lange, bis er Wurzeln treibt, der ganze Winter und noch mehr vergeht oft darüber. Aber Callus, dieser dicke, fleischige Wulst an der Schnittfläche, treibt in überaus großer Menge; wir dürfen uns dadurch nicht täuschen oder beängstigen lassen. Wenn nun endlich der Steckling Wurzeln gebildet hat, so wird er in einen mittelkleinen Topf gesetzt, anfangs mit etwas leichter Erde, Lauberde oder Sobald der Topf durchwurzelt ist, muß die Pflanze einen neuen Topf erhalten. Habe ich ein Mistbeet, so ziehe ich vor, den Lorbeer dort über Sommer auszupflanzen, ihn anfangs etwas warm zu halten, damit er treibt, und später allmählich dem vollen Lichte und der vollen Luft auszusetzen. Ist der Lorbeer erst einige Jahre älter, so kann er statt ins Mistbeet aus ein Gartenbeet kommen. Zu Anfang ist der Trieb des jungen Lorbeer selten besondersüppig, erst im zweiten oder dritten Jahre legt er los. Durch richtigen Schnitt müssen wir ihn dann zwingen, eine gute Form
anzunehmen. Ein in die Höhe geschossener Lorbeer, ohne Seitenzweige, dazu noch unten kahl, sieht geradezu häßlich aus. Besondere Regeln für den Schnitt gibt es nicht. Der Lorbeer ist nicht empfindlich und findet sich leicht in jede Form, bald in die einer Pyramide, bald in die eines Kronenstammes, bald in die Form eines Spaliers.
Im Winter gehört der Lorbeer ins kalte Zimmer oder in den Keller. Er verträgt dann Wärme nicht, wird bei warmem Stande durch Schildläuse heimgesucht und läßt die Blätter fallen.
Größere Pflanzen, bei denen wir auf rasches Wachstum keinen hohen Wert mehr legen, bringen wir im Sommer auf die Balkons u.s.w.; kleinere stehen im Garten eingesenkt besser. Nur wenn wir keinen Garten besitzen und aus der Not eine Pflicht machen müssen, bringen wir auch die kleinen 2-, 3- bis 4 jährigen Lorbeer dorthin, doch an möglichst geschützten Platz.
Größere Lorbeerbäume brauchen nicht alljährlich verpflanzt zu werden. Sie können 2 bis 3, auch 4 Jahre in ihrem Kübel stehen und erhalten in der Zwischenzeit nur häufig einen Dungguß aus Kuhdung, Blut oder Hornspänen. Auch die jüngeren lieben solch flüssigen Dung, doch außerdem alljährliches Verpflanzen. Während des Triebes verbraucht der Lorbeer sehr viel Wasser, nachher nicht mehr so viel und im Winter nur sehr wenig. Leicht kann man dann des Guten zu viel tun. Die Folge ist zwar nicht sofortiger Tod, aber schwaches Wachstum und gelblich gefärbtes Laub. Baldiges Umpflanzen in neue, gute Erde, große Vorsicht beim Gießen helfen ab. Krank gewordene Lorbeer werden am schnellsten gesund, wenn man für sie einen warmen Fuß, das heißt einen Haufen von Pferdedünger viereckig 1/2 m im Viereck und 1 m hoch herrichtet - festtritt und nachher den Lorbeer, wenn die Wärme des Haufens aus 28-30° R. herunter gegangen, daraus stellt - sie später sogar einsenkt.
Gelbes Laub kann auch durch Nahrungsmangel hervorgerufen sein, dann ist eine Düngung mit Blut 1 in 100 sehr vorteilhaft, allwöchentlich ein- oder zweimal.
Eine schreckliche Plage des Lorbeer sind die Schildläuse aller Art, sowohl die gewöhnlichen als die kommaförmigen. Oft kann der Stamm und die ganze Unterseite der Blätter damit dicht besetzt sein. Bei solchen Mengen gibt es nur ein Mittel, starken Rückschnitt mit darauf folgendem sorgfältigen Abbürsten, Abreiben und Abwaschen des Stammes mit Schwefelkalium ( 1/8 Kilo auf 1/2 Liter Wasser).
Manchmal kommt es vor, daß der Lorbeer mitten im Triebe plötzlich Blätter mit braunen Rändern bekommt; eine Saftstockung, durch unregelmäßiges Gießen hervorgerufen, ist meistens schuld daran und nur recht sorgfältiges Gießen kann das Übel vertreiben.








