Helenes Garten

Eine alte Welt


9. Die besten Pflanzen für das Zimmer


Diese Pflanzen bevorzugte man auch schon vor mehr als 100 Jahren als Zimmerpflanzen. - Lesen Sie mehr in der Pflanzenübersicht

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9.70 Myrthe - Myrthe

In manchen Gegenden ist es Sitte, dem mit Myrthe gewundenen Brautkranz einige Zweiglein für die Braut und ihre besten Freundinnen zu entnehmen, sie zur Bewurzelung zu bringen und die jungen Pflanzen als sinniges Andenken an den hochwichtigen Tag zu hegen und zu pflegen. Anderorts, wo diese hübsche Sitte nicht verbreitet ist, steht die Myrthe in nicht weniger hohem An-sehen bei Konfirmationen und erfreut sich der liebevollsten Behandlung. Daher denn auch große, alte Pflanzen in Wohnhäusern häufig genug anzutreffen sind. Daß man dennoch bei der Behandlung der Myrthe Unglück haben kann und die Pflanzen jämmerlich

zu Grunde gehen sehen muß, ist deshalb natürlich nicht ausgeschlossen, und hat wohl auch schon mancher selbst erfahren. Aber wir sind immer Schuld daran und gerade dann am meisten, wenn wir die Myrthe ganz außergewöhnlich gehätschelt haben und sie durch zimperliche Behandlung verzärtelten. Die Myrthe, welche schon im Süden Europas ohne jede Decke im Freien aushält, ist kein so empfindliches Kind, daß wir sie ängstlich in das Wohnzimmer einschließen müßten, sie will frische, freie Luft. Darum ist es ihr auch außerordentlich angenehm, wenn sie im Sommer an einem Fenster stehen kann, welches häufig geöffnet wird, oder im Garten auf geschütztem Beete oder auf geschütztem Balkon. Sie bevorzugt kräftige, bindige Erde; Heideerde, Lauberde und sonstige feine Sachen sind nichts für sie. Das Umpflanzen geschieht im Frühjahre. Man sollte dabei recht vorsichtig sein und keine starke Störung der Wurzeln durch Abschneiden oder durch starkes Stöckern mit dem Lockerholz hervorrufen. Sind die am Rande liegenden Wurzeln ein klein wenig unterhöhlt, dann ist es gut.

Vor dem Verpflanzen und auch nach demselben läßt sich die Form der Pflanze durch schwachen oder starken Schnitt beliebig herstellen. Selbst ganz starker Rückschnitt ist nicht schädlich. Aus den ältesten, knorrigsten Zweigen entwickeln sich in verhältnißmäßig kurzer Zeit eine Menge junger Triebe.

Die beliebteste Form der Myrthe ist die Krone, welche aus etwa fußhohem Stamm gebildet ist, wie die Buschform. Auch kranzförmig gezogen, macht die Pflanze einen hübschen Eindruck. Man gebraucht dann von jung auf 2 Hauptäste, die sich sehr leicht durch Entspitzen erzwingen lassen. Alle selbstgezogenen Myrthen entwickeln sich im Zimmer am besten. Man kann zu jeder Zeit, Frühjahr und Winter, Herbst und Sommer, Stecklinge schneiden. Am sichersten wachsen die im Frühjahr und Sommer gemachten.

Zu Stecklingen werden etwa fingerlange Spitzentriebe gewählt. Der Schnitt wird dicht unter einem Blattpaare ausgeführt, die fertigen Stecklinge einzeln in kleine mit Wasser gefüllte Medizinflaschen so eingesteckt, daß der geschnittene Teil und noch einige Blätter im Wasser stehen. An schattigem, 10-12°R warmen Ort, auf der Fensterbank, treiben diese Stecklinge nach Wochen Wurzeln und können später eingepflanzt werden. Es lassen sich auch die Myrthenstecklinge, wie andere Stecklinge, zu mehreren in einen Topf mit Erde, Sand, stecken und bilden sie auch dort, sind sie mit einer Glasglocke überdeckt, Wurzeln. Manchmal gelingt es sogar ohne Glasglocke junge Pflanzen zu erhalten, wenn man einfach die Stecklinge an den Rand eines mit einer Pflanze bestandenen Topfes stopft.

Alle eben bewurzelten Myrthen erhalten kleine Töpfe, mit guter nahrhafter Erde, und werden nicht früher in andere umgesetzt, bis sie kräftigen Trieb zeigen und ordentlich Wurzeln an der Topfwand gebildet haben.

Für junge Myrthen ist der Stand im Wohnzimmer am halbschattigen, ungeöffneten Fenster, wo infolge des frischen Luftstromes durch andere geöffnete Fenster genügend frische, reine, Luft vorhanden ist, am vorteilhaftesten. Aus den kleinen Myrthen können noch alle Formen gezogen werden. Man muß aber rechtzeitig bei der Hand sein und den Wuchs durch Schnitt den Wünschen entsprechend regeln; auch die Zweige an den Gestellen sachgemäß anbinden. Myrthen, die hochstämmig werden sollen, brauchen erst dann einen Schnitt, wenn die Seitenzweige zu sehr wachsen. Sie werden entspitzt. Um Büsche zu ziehen ist es oft notwendig, die Pflanzen, wollen sie keine Seitenzweige treiben, ziemlich tief zurückzuschneiden, oft bedarf es gar keiner Hülse.

Wer seine Myrthen lieb hat, wird sie über Winter nicht in den Keller, noch an sonst einen dunklen Ort bringen, sondern sie im Wohnzimmer, nahe am Fenster so aufstellen, daß mehr als 6-9 °R. sie nicht treffen. Findet sich kein solcher Platz, dann wäre das kalte Zimmer zu wählen. Oft sind Myrthen Krankheiten unterworfen. Das Gelbwerden der Blätter ist fast immer durch schlechtes Gießen verschuldet. Verbraucht die Myrthe auch, wenn sie stark wächst, viel Wasser, so will sie doch keineswegs übermäßig gegossen sein. Fortdauernde linde Feuchtigkeit, die sagt ihr zu, anwährende stärkere Nässe oder starke Trockenheit bringt schlechte Wurzeln und gelbe Blätter. Manche Krankheitserscheinungen werden durch Ungeziefer, allen voran die Schildläuse, verursacht. Bei dem ungemein starken Zweiggewirr der Pflanzen und ihren kleinen Blättern, läßt sich nur herzlich schlecht Abhilfe schaffen, wenn einmal die Schildläuse sich über die ganze Krone ausgebreitet haben. Starker Rückschnitt, verbunden mit sorgfältigem Waschen, vermag die Plage langsam zu heben, darum ein scharfes Augenmerk für solche Gäste stets am Platze ist. Thrips und Spinne suchen die Myrthe auch gern auf, wenn sie zu warm und trocken steht. Rückschnitt, waschen, spritzen, bilden wieder die einzigen Hilfsmittel; daneben ist es sehr gut, die in solcher Weise heimgesuchten Pflanzen über Sommer auf ein Gartenbeet auszusetzen oder sie doch hinauszustellen.

Es gibt kleinblättrige und großblättrige Myrthen. Die kleinblättrigen Myrthen sind hübscher, blühen in den meisten Fällen auch dankbarer. Wenn man Wert darauf legt, daß der Myrthenstock Blüten bald bringen soll, dann muß man Stecklinge von solchen Pflanzen schneiden, die reichlich blühen.

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