9.44 Dianthus - Nelke
In der Hauptsache sind alle Nelken, die wir im Zimmer haben, Topf- oder Chornelken, Formen der Dianthus Caryophyllus , unserer gewöhnlichen Land- oder Gartennelke. Alle Zimmernelken lassen sich deshalb auch sehr gut in den Garten pflanzen und halten dort über Winter aus, wenn sie ein wenig Schutz durch Tannenreisig erhalten. Die Vermehrung der Nelken geschieht aus Samen, Stecklingen und Senkern. Der Same ist natürlich nicht konstant, d. h. es werden nur selten Pflanzen daraus, wie die alten, sondern oft solche mit viel schlechteren Blüten, selten mit besseren. Die Sämlingszucht ist deshalb für die Zimmerpflege wenig angebracht, mehr die aus Stecklingen oder Senkern, bei der wir doch immer wissen, daß die schönen Blüten der Mutterpflanze auch dem Sprößling eigen sind. Einen Nelkensteckling machen wir im März oder April aus einem neuen noch jungen Triebe mit 3 - 4 Knoten. Willig wachsen Nelkenftecklinge selten und oft gibt es große Verluste. Um einigermaßen auf Erfolg rechnen zu können, müssen wir auf die Entfernung der drei unteren Blätter mitsammt ihren Blattscheiden, die den Stengel noch bis unter den Knoten umgeben, Wert legen. Die zarten Würzelchen können die Blattscheide nicht gut durchwachsen, die Blattreste faulen außerdem leicht und töten so den Steckling. Mit einem Messer lassen sich die Scheiden übrigens leicht abreißen, man muß es aber immer gleich beim
Zurechtmachen des Stecklings tun, später geht es nicht so leicht.
Der Schnitt des Stecklings kann insofern noch von dem anderer Stecklinge verschieden sein, als man ihn nicht dicht unterm Knoten Auge auszuführen braucht. Die Nelke macht gerne noch aus dem Stengel Teile
Wurzeln. Statt zu schneiden kann man die Stecklinge auch von der Mutterpflanze abreißen, indem man den Spitzentrieb soweit man ihn zum Steckling braucht, in die Hand nimmt und nun reißt. Nelkenstecklinge kommen zu mehreren in einen Topf oder in eine Schale, Bedeckung mit einer Glasglocke ist in der ersten Zeit nicht gut zu entbehren.
Beim Absenken wird der sonst als Steckling benutzte Trieb nicht von der Pflanze getrennt. Seine Verbindung mit der Mutterpflanze wird nur gelockert, indem man etwa 2 Zentimeter hinter dem dritten oder vierten Knoten anfangend, mit dem Messer den Stengel spaltet bis zum nächsten Knoten und nun den gespaltenen Teil auf den Boden feststeckt und mit Erde umgibt. Die Spitze biegt man nach oben. Bei regelmäßiger Feuchtigkeit wurzeln die Triebe schnell. Sobald sie ordentlich Wurzeln haben, werden sie abgetrennt. Im Zimmer benutzt man zum Absenken speziell neben die Nelke gestellte, kleine, mit Erde gefüllte Töpfe oder stellt über die lang gewordene Nelkenpflanze einfach einen neuen Topf, auf welchen der Boden herausgeschlagen ist. Er muß etwas kleiner sein als der Topf, in welchem die Nelkenpflanze steht, damit er darauf gestellt und mit Erde gefüllt werden kann. Die alte Nelkenpflanze wird auf diese Weise zwar mit in die Erde hinein gebracht, doch schadet ihr dies nicht, sie taugt ja auch so wie so nicht mehr viel. Denn das ist ein Fehler jeder Nelke, daß sie nach zwei-, höchstens dreijähriger Dienstzeit struppig und schlecht wird und sich nicht einmal nach tüchtigem Schnitt wieder gut entwickelt. In jedem Jahre junge Nelken zu ziehen, ist darum für uns fast notwendig, wenn wir immer einen hübschen Flor haben wollen. Machen wir die Senker im Juli, überwintern wir dann die Pflanzen und pflegen sie noch einen Sommer, so sind sie überaus kräftig, bringen auch schon Blüten. Unsere Nelkenpflanzen stehen am besten den ganzen Sommer über im Freien, eingesenkt oder ausgepflanzt aus einem sonnigen Gartenbeete.
Mit leichter Erde läßt sich bei Nelken nicht viel machen. Gute, etwas lehmige Gartenerde oder gute Rasenerde ist notwendig. Bei regnerischem Wetter platzen die Blüten der Nelken, das heißt die Kelchblätter öffnen sich und die ganze Blüte wird schief und unansehnlich. Oft ist das Platzen der Blüten auch eine schlechte Gewohnheit der betreffenden Sorte und ist die Sorte dann einer Weiterzucht nicht wert. Über Winter stehen die Nelken am besten im kalten Zimmer, der Keller kann jedoch auch zur Überwinterung dienen. Im kalten Zimmer treiben sie jedoch allmählich weiter und können später, sobald die Blütentriebe hervorkommen, ins warme Zimmer gestellt werden, wo sie dann ziemlich leicht aufblühen. Eine arge Winterkrankheit ist der Rost. Die Blätter werden fleckig und gehen allmählich ein. Trockene Luft vermag die Krankheit etwas fern zu halten, wo sie jedoch stark auftritt, sollte man mit den Sorten wechseln. Die älteren Nelkenarten, welche schon jahrelang aus Stecklingen oder Absenkern gezogen sind, haben durch fortwährende Stecklingszucht allmählich eine größere Anlage zu dieser Krankheit bekommen.
Die leuchtend rote Nelke Grenadier die früher ungemein viel gezogen wurde, ist dadurch etwas in Mißkredit geraten. Gute Nelken sind: Le Centenaire leuchtend rot, rosa Irma . Alphonse Karr, ziegelrot. Germania, die beste gelbe, Präsident Carnot , die beste dunkelrote. Miss Moore, die beste weiße Nelke.
Dann die vorhin schon erwähnte Grenadier, die Malmaisonnelke, und zur Zucht aus Samen die neue Margarethennelke, welche einen großen Teil gefüllt blühender Pflanzen aus Samen gibt und, wenn im Februar, Anfang März ausgesät, schon im Herbst desselben Jahres reichlich blüht. Auch Napoleon III. ist zum Treiben recht gut.








