Helenes Garten

Eine alte Welt


9. Die besten Pflanzen für das Zimmer


Diese Pflanzen bevorzugte man auch schon vor mehr als 100 Jahren als Zimmerpflanzen. - Lesen Sie mehr in der Pflanzenübersicht

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9.71 Nerium - Oleander.

Der Oleander macht nicht in allen Zimmern Freude und das kommt daher, weil er viel, viel Sonne gebraucht, wenn seine Knospen sich entfalten, die reizende Blüte sich öffnen soll. Ohne Sonne erhalten wir wohl üppiges Laubwerk, wohl kräftigen Wuchs, wohl reichlich angesetzte Knospen, aber nichts weiteres, und dem Ziele so nahe, verdrießt es doppelt, wenn die Knospen nicht größer werden wollen und eine nach der anderen wieder abfällt. Viel Sonne, das ist also das erste, was wir dem Oleander bieten müssen, außerdem ist ihm eine tüchtige Portion Wärme, die den sengenden Sonnenstrahlen angemessen ist und nicht zu feuchte Luft zum Gedeihen notwendig. Auf der geschützten Veranda, in einer dem Winde verschlossenen Halle, an einer Südmauer oder am Südfenster, da möchte er seinen Aufenthalt über Sommer haben. Im Winter ist er dann aber wieder sehr bescheiden. Nur frostfrei will er stehen, wo? ob im Wohnzimmer, ob im kalten Zimmer, oder im halbhellen Keller, das ist ihm gleichgültig.

Man verpflanzt den Oleander immer im Frühjahre. Recht schwere bindige Erde ist sein Element. Erde, die aus dem Schlick der Meeresufer, dem Schlick der Gräben gewonnen ist, bevorzugt er in auffallender Weise. Auch lehmige, gute Gartenerde und Mistbeeterde sind seinem Gedeihen dienlich. Beim Umsetzen darf man ohne Gefahr den Wurzelballen etwas verkleinern und die gar zu verfilzten Wurzeln abschneiden. Vorsichtiger muß man mit dem Schnitt der Krone sein. Der Oleander blüht stets nur an den im vorigen Jahre gewachsenen Zweigen; entspitzen wir sie, ist die Blüte verloren. Bei sehr groß gewordenen Oleandern ist aber ein energischer Schnitt doch manchmal notwendig. Er sollte dann im zeitigsten Frühjahre oder auch schon im Herbste vorgenommen werden. Der Oleander treibt auch aus sehr altem Holze immer wieder aus.

Man vermehrt den Oleander fast immer aus Stecklingen. Edlere und seltnere Sorten werden aus junge Pflanzen des gewöhnlichen Oleander veredelt. Es lassen sich wie bei der Zucht anderer Pflanzen Triebspitzen in einen Topf mit Erde oder Sand stecken und allmählich zur Bewurzelung bringen; es lassen sich aber auch, und das ist die einfachste und im Zimmer gebräuchlichste Weise, handlange Oleanderspitzen in ein mit Wasser gefülltes Medizinglas stecken. Die Oleander machen im Wasser, in welches man einige Holzkohlenstückchen hineinwerfen kann, ohne jede andere Pflege als bei einem Stande am warmen Fenster und Nachfüllen des verdunsteten Wassers sicher Wurzeln. Das Glas wird später zerschlagen und die junge Pflanze in einen Topf gesetzt. Um nun einen recht hübschen hohen Stamm zu ziehen, ist es notwendig, erstens, recht früh den Steckling zu machen, im Januar, oder Februar oder schon im Herbst, zweitens, dafür zu sorgen, daß eine recht kräftige Triebspitze ausgesucht wird, die voraussichtlich im nächsten Jahre nicht blüht. Wählen wir einen Blütentrieb, so wird die Pflanze etwa einen Fuß hoch, treibt dann die Blüte und Teilt ihren Stamm in 3 Teile.

Der eben bewurzelte Steckling muß gleich gute kräftige Erde bekommen und warmen, aber nicht allzusonnigen Stand erhalten. Starke Sonne ist ihm erst im nächsten Jahre, wenn er blühen soll und 1m Höhe erreicht hat, nützlich. Beim Veredeln schneidet man die noch nicht bleistiftstarken, aber gehörig angewurzelten Stecklingspflanzen 2-3 cm über dem Boden ab, macht einen kurzen Querschnitt, fast bis auf den Boden schiebt dahinein das Reis, welches unten keilförmig zugeschnitten ist, verbindet mit Bast oder Wollfaden, verstreicht mit Baumwachs und stülpt einen kleinen oben geschlossenen Glaszylinder über die veredelte Pflanze. Wärme des Wohnzimmers, regelmäßige Feuchtigkeit, Halbschatten lassen die Arbeit gelingen. Das Reis ist auch ein Spitzentrieb, ebensolang als ein Steckling.

Während des Triebes gebrauchen die Oleander sehr viel Wasser; am stärksten·ist ihr Wasserverbrauch kurz vor der Blüte. Düngerguß vertragen sie den ganzen Sommer. Oleander blühen häufig deshalb nicht, weil sie zu spät in die Sonne gestellt werden. Die Knospen erscheinen dann spät, für ihre Entwicklung reicht die Sonne nicht mehr aus und bei der Überwinterung gehen sie zu Grunde. Wenn das auch nicht bei allen der Fall ist, besser bleibt es doch, im Herbst die Knospen abzuschneiden.

Sie verzögern sonst im nächsten Frühjahre den Trieb und sind die Urheber neuer später Knospenbildung. Es gibt also nie Blüten. Ein gefährlicher Feind des Oleander ist die Schildlaus; hat sie sich einmal ausgebreitet, so bleibt nur übrig, den Stamm stark zurückzuschneiden und mit Seifenwasser oder Wasser von Schwefelkalium wie beim Lorbeer energisch zu waschen.

Außer dem gewöhnlichen Oleander (Nerium Oleander) ist empfehlenswert: Nerium Oleander splendens und Nerium Odorum

 

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