Helenes Garten

Eine alte Welt


9. Die besten Pflanzen für das Zimmer


Diese Pflanzen bevorzugte man auch schon vor mehr als 100 Jahren als Zimmerpflanzen. - Lesen Sie mehr in der Pflanzenübersicht

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9.73 Palmae - Palmen

Die Palme ist die Krone unserer Zimmerpflanzen. Lange hat sie freilich um diese Stellung kämpfen müssen. Man wollte es ihr nicht so recht glauben, daß sie sich, wie andere Kinder Floras, in unseren Zimmern wohl fühlen könne. Jetzt sind diese Bedenken glücklich zerstreut, jeder weiß, daß viele Palmen härter und unempfindlicher sind als manch andere Zimmerpflanze. Von den Palmen aber zu erwarten, daß jede beliebige Art dieser formreichen Pflanzenfamilie zur Zimmerpflege geeignet ist, wäre etwas zu viel. Harte und schöne Palmen gibt es unter den Phönix, den Latanien, Corypha, Chamaerops, Rhapis soviel, daß wir eigentlich gar nicht Lust zu haben brauchen, noch andere in den Kreis dieser zimmerfesten Gesellen hineinzuziehen. Die Behandlung aller Palmen ähnelt sich sehr. Jede Palme ist mehr oder minder empfindlich, wenn wir sie aus dem Gewächshause holen und will, frischgekauft, die sorgsamste Pflege, d. h. den wärmsten aber doch nicht trockenen Platz, den hellsten Stand und ungemein sorgfältige Versorgung mit Wasser. Sie ist es in der feuchteren Lust des Gewächshauses ja nicht gewohnt gewesen, so hastig Wasser aus ihren Blättern zu verdunsten, nicht gezwungen worden, so flink Ersatz herbeizuschasfen; sie ist es aber gewohnt, ihren Boden im Topfe stets feucht, niemals trocken zu finden und verlangt deshalb Anfangs im Zimmer häufigeres Gießen als im Gewächshause. Ganz ohne Schaden geht die Gewöhnung an die Zimmerluft selten ab. In den meisten Fällen fangen die Spitzen der Blätter an gelb zu werden und hören erst damit auf, wenn das Blatt härter geworden ist und durch seine größere Zähigkeit der trockenen Zimmerluft den nötigen Widerstand entgegensetzen kann. Oft dauert diese Übergangszeit recht lange, oft, wenn man die Pflanzen im Sommer gekauft hat merkt man sie kaum. Am vorteilhaftesten ist es im

allgemeinen Pflanzen in das Zimmer zu bringen, die 2-3 ausgebildete, charakteristische Blätter haben. Sie vertragen jede Widerwärtigkeit am besten, erholen sich auch am schnellsten. ES ist der Kauf solcher Pflanzen noch rationeller als die eigene Anzucht der Palmen aus Samen; Geduld gehört dazu in reichem Maße. Die jungen Sämlinge müssen allein Z Jahre stehen ehe sie die ersten guten Blätter bringen, doch ich mag nicht außer Acht lassen, daß in der Heranzucht für viele gerade das Hauptvergnügen liegt.

Palmensamen werden alle gleich behandelt. Ich lege sie ohne Unterschied in Sägemehl, so tief etwa wie sie dick sind, und bringe dann die Töpfe in den schon beschriebenen Wasserkasten auf den warmen Ofen. 15-20°R Wärme müssen hier immer vorhanden sein, wenn die Keimung rasch vor sich gehen soll; bei unregelmäßiger Temperatur dauert es bedeutend länger, ehe die weißen Würzelchen sich blicken lassen. Bei den Samen der Phönixarten bemerkt man kurz zuvor in der Mitte des Samens aus der umgekehrten Breitseite einen kleinen, etwas heller gefärbten Punkt, in wenigen Tagen ist die braune Hülle abgestoßen und nun guckt das Würzelchen vor. Es ist recht angenehm, daß die Palmensamen es nicht übel nehmen, wenn man sie hin und wieder einmal vorsichtig herausnimmt und nachsieht, wie weit ihre Keimung vorgeschritten ist. Man muß nur den Samen nachher wieder ordentlich hinlegen und durch Überbrausen des Topfes ihn festschwemmen.

Wenn die Wurzeln aus dem Samen herausgucken ist freilich jede weitere Besichtigung von Nachteil, die junge Pflanze wird zu sehr gestört, die Wurzel nicht selten abgerissen.

Im allgemeinen sind wir gewöhnt, mit der Wurzel zugleich die Blätter hervorsprossen zu sehen; bei den Palmen dürfen wir darauf nicht hoffen. Sie treiben ihr erstes Blatt erst wenn die Wurzel oft schon fingerlang geworden ist. Es kommt dann aus dem Boden ein spitzes, pfriemenförmiges Gebilde, welches dem alten Palmenblatte nicht im mindesten ähnlich ist, das Keimblatt. Mit ihm zugleich hebt sich bei vielen Arten, beispielsweise Phoenix, Latania, das Samenkorn aus dem Boden und ist durch einen besonderen Strang, der zur Wurzel führt, mit der jungen Pflanze verbunden. Im Samenkorn sind noch Reservestoffe, die allmählich dem Sämling zu Gute kommen. Es ist deshalb falsch, die Samen abzuschneiden, sie fallen, wenn sie keine Nährstoffe mehr haben, von selbst ab.

Man kann nicht alle Palmen gleichzeitig aussäen, die Aussaatzeit richtet sich nach dem Eingange der Samen aus dem Heimatlande. Wenn die Samen jedoch gekommen sind, sollten sie gleich gesäet werden, ob es nun Januar oder Februar, ob Mai oder Juni ist. In der Regel bleiben die jungen Pflanzen ein viertel Jahr in den Töpfen, in welchen sie ausgesäet wurden, stehen, und werden dann einzeln in kleine Töpfe gesetzt. Die Wurzel wird nicht beschnitten, wohl aber im Kreise herumgelegt, damit sie im kleinen Topfe Platz findet. Dicht am Fenster des Wohnzimmers stehen die Palmen-Pflänzchen gut. Sie werden hier es immer anfangs noch auf eine rasche Entwicklung der Wurzeln größeren Wert legen, als auf die Ausbildung von Blättern. Mit einem gewissen Ungestüm dringen die weißen, holzigen Wurzeln bald durch das Abzugsloch des Topfes und verzweigen sich dort. Man gibt ihnen dann größere Töpfe; doch gar zu oft soll man dem Drängen der kleinen Wildfange nicht nachgeben, höchstens einmal, es gibt sonst Gefäße, die zu den Pflanzen in keinem Verhältniß stehen. Am Schluß des zweiten Jahres meistens zeigen sich die ersten mehr palmenartig geformten Blätter. Bei den Phönix entstehen einzelne Schlitze, bei den Latanien teilt sich das Blatt in mehrere Teile, und wenn nun die Pflanzen erst anfangen ihren Charakter herauszubilden, dann ist jedes neue Blatt vollkommener geformt, bis es schließlich im 4. bis 5. Blatte fertig ist.

In einem Mistbeetkasten wachsen junge Pflanzen viel schneller heran, als im Zimmer. Sie haben dann aber auch wieder den Nachteil, daß sie empfindlicher sind und besonders im Winter leicht kränkeln. Alle Palmen verbrauchen viel Wasser, im Sommer sowohl als im Winter. Sehr trocken darf keine Pflanze werden, der Verlust der unteren Blätter ist im günstigsten Falle immer damit verbunden, oft stirbt die Pflanze auch ganz ab. Sind die Palmen in schwere, lehmige Erde oder in Mistbeeterde gepflanzt, in denen sie am üppigsten werden, dann ist, weil diese Erden doch recht bindig sind, das Austrocknen niemals so schnell zu befürchten, als wenn Heideerde, Lauberde, womöglich noch mit Sand gemischt, verwendet wurde.

Ich würde letztere Erdarten immer verwerfen und sie höchstens dann einmal aushilfsweise gebrauchen, wenn eine Palme wurzelkrank geworden ist und durch leichte Kost und wenig Wasser wieder kuriert werden soll. Das Verpflanzen der Palmen geschieht im Frühjahre und ist auch, sollten dringende Verhältnisse es erheischen, mitten im Winter recht gut ausführbar. Obgleich man augenblicklich nicht mehr die Unverletzbarkeit der Wurzeln so sehr im Auge behält, wie früher, und beim Verpflanzen die Wurzeln der Palmen oft ganz gehörig zusammenschneidet, so möchte ich doch jedem Blumensreunde davon abraten. Es gehören warme Beete dazu und die Luft eines Warmhauses, um die Palmen, deren Wurzeln arg beschnitten sind, vor dem Verderben zu retten. Dagegen haben die Pflanzen es gern, wenn die Wurzeln ein wenig mit dem Lockerholz gelockert werden. Sie wachsen dann um so rascher in die neue Erde hinein.

Viele Palmen haben die Angewohnheit, sich allmählich hoch zu stellen und förmlich auf ihren Wurzeln zu stehen. Früher hat man daraus geschlossen, daß ihnen zum Gedeihen mehr tiefe Töpfe notwendig seien, doch ist dies nicht der Fall. Die Palmen stellen sich auch im Vaterlande mit der Zeit höher und es liegt ihnen gar nichts daran, wieder tiefer gepflanzt zu werden. Unsere sämmtlichen harten Zimmerpalmen können den Sommer über im Freien stehen. Es sollte ihnen dann aber kein sehr sehr sonniger Standort ausgesucht werden, halbschattig unter einen Baum gestellt und mit dem Topf in die Erde eingesenkt, behalten die Blätter ihre schöne grüne Farbe. Auf sonnigem Stande bleichen sie aus, werden gelb, bekommen manchmal auch häßliche Brandflecke. Auch im Zimmer bedürfen die Pflanzen, wenn ihre Blätter nicht dem selben Schicksale verfallen sollen, über Sommer Schutz vor brennender Sonne durch eine Gardine, Jalousie etc. Außerordentlich dankbar sind sie, wenn wir ihnen häufig ein Bad geben, die Blätter mit einem Schwamme hübsch abwaschen und womöglich am Abend und am Morgen mit der Brause oder dem Bestäuber sie tüchtig naß machen.

Flüssiger Dünger ist den Palmen über Sommer immer angenehm. Ich habe mit Vorliebe Kuhdung verwendet, und, wenn ich die Pflanzen im Freien stehen hatte, den strohfreien Dung, so wie er war, aus die Töpfe gepackt; klumpweise muß dies aber geschehen, sonst schließt man die Luft vom Topfe ab und schadet.

Beim Gießen wird auf den Dünger gegossen und so jedesmal etwas Nahrung den Wurzeln zugeführt. Diese wissen sich auch in anderer Weise des Düngers zu bemächtigen; es ist fast erstaunlich, wie schnell sie an der Oberfläche neue Würzelchen bilden und sie in den Dungstoff hineinschicken, der im Verlaufe von einigen Wochen fast zu Erde geworden ist. Um das feste Zusammenschlämmen des Düngers durch das Gießen zu verhindern, habe ich ihn jeden Sonn. abend aufgelockert und so natürlich auch auf seine schnellere Zersetzung hingewirkt.

Im Zimmer selbst läßt sich diese Art der Düngung schlecht anwenden. Dort muß man schon den Dung in Wasser auflösen und so verwenden, oder zu künstlichem Dung, Chilisalpeter, Salmiak etc., greifen. Aber Vorsicht! Nur kleine Portionen! Werden die Pflanzen einige Stunden auf den Flur gestellt, so riecht man nichts von der Düngung.

Im Zimmer abgehärtete Pflanzen brauchen nicht immer am Fenster zu stehen. Sie vertragen es recht gut, wenn sie etwas nach hinten gerückt werden und können, eine Zeit lang wenigstens, auch die Rückseite des Blumentisches einnehmen. Von Ungeziefer befällt die Palmen leicht eine kleine Schildlaus, welche sich besonders bei jungen Coryphen zuerst in den Blattwinkeln einsindet und von diesem gedeckten Platze aus sich über die ganze Pflanze zu verbreiten sucht. Rechtzeitig muß man bei der Hand sein, wenn man sich große Mühe ersparen und die Blattreststümpfe, die so malerisch unten aussehen, erhalten will. Ist die Schildlaus einmal da, dann dürfen gerade diese Stümpfe am allerwenigsten geschont werden. Ohne Erbarmen, aber dabei doch vorsichtig, bricht man sie ab, reinigt den Stamm und bestreut ihn mit Insektenpulver. Auch in die Spitze hinein wird Insektenpulver geschüttet, damit die jungen Blätter nicht an ihrem Grunde schon befallen werden und dann scheinbar die Tiere mit hervorbringen.

Ein zweites ebenso gefährliches Ungeziefer ist der Thrips.

Er findet sich gern ein, wenn die Luft im Zimmer zu trocken istund wenn das Überspritzen der Pflanze vergessen worden ist. Die Unterseite der Blätter ist hauptsächlich sein Operationtsfeld, und nur Waschen mit ziemlich starker und warmer Seifenlösung vermag ihn zu entfernen.

Von unseren Palmen eignen sich zur Zimmerpflanze: Chamaedorea Bergpalme, sowohl Chamaedorea elegans wie Chamaedorea elatior . Die erstere ist sehr raschwüchsig, macht einen rohrähnlichen Stamm und hat selten mehr als 3-4 Blätter. Chamaedorea elegans ist deshalb auch in Zusammenstellungen als Mittelpflanze zu gebrauchen. Von meterhohen Pflanzen kann man schon Samen gewinnen. Chamaedorea elatior treibt vom Wurzelstocke aus neue Triebe und sieht deshalb immer mehr buschförmig aus. Sie ist nicht allein härter als die vorige, auch schöner, und die einzige Palme, welche man mit Aussicht auf einigen Erfolg aus den Nebentrieben vermehren kann, wenn man sie mit einer Wurzel abtrennt.

Man findet Chamaedorea elatior weniger in Handelsgärtnereien und wird man sich sehr oft nur Pflanzen durch eigene Anzucht aus Samen schaffen können.

Die Zwergpalme Chamaerops humilis dagegen ist vielfach im Handel zu finden. Sie macht auch, wie die vorige Palmenart, von unten neue Triebe und wird recht buschig. Dabei haben die fächerförmigen Blätter eine Zähigkeit, die oft ans Erstaunliche grenzt.

Die Zwergpalmen sind vom Mittelmeer zu uns gekommen. Sie nehmen trotzdem gern mit der Wärme unserer Wohnzimmer vorlieb, vertragen aber auch einen Stand bei 2-3 °R Wärme, nur wachsen sie dort nicht so rasch, und ihre Blätter haben auch häufig eine gelbe, häßliche Farbe.

Hübscher als Chamaerops humilis ist Chamaerops exelsa. Sie hat längere Blattstiele und größere Blätter. Livistona australis, oder, wie sie mehr genannt wird, Corypha australis, ist wieder hübscher als die vorhergegangene, aber im Zimmer auch etwas empfindlicher. Sie ist es, die leicht durch Schildläuse leidet und damit dann andere ansteckt.

Man muß sie deshalb sehr im Auge haben, und sobald sich die verräterisch gelben Flecke zeigen, tüchtig waschen und mit Insektenpulver die ganze Pflanze bestreuen, auch die Blattwinkel und die Spitze nicht vergessen, denn von dort aus beginnen die Schildläuse immer von neuem wieder die Wanderung über die ganze Pflanze.

Die Coryphen können sich sehr verschieden bilden, manche machen ohne Weiteres hübsche lange Blattstiele, andere wollen trotz aller Mühe das nicht tun und tragen ihre Blätter mit kurzen Stengeln, dicht zusammengedrängt fast schopfartig. Größere Wärme, schattiger Stand, zwei Schritt vom Fenster entfernt, kann sie allein dazu zwingen, längere,

Blattstiele zumachen. Man kann die Coryphen auch bei 6 bis 7 °R Wärme pflegen, doch tritt der vohin erwähnte Übelstand dann sehr leicht auf. Die Coryphen sind weit vorsichtiger zu gießen, als die anderen Zimmerpalmen, weil sie leicht wurzelkrank werden, und es ist beim Verpflanzen immer sehr darauf zusehen, daß man nur wenig größere Töpfe nimmt. Latania bornica jetzt Livistona chinensis genannt, ist die, mit dem Namen Fächerpalme jedem bekannte Palme. Sie ist der Liebling aller, durch ihre herrlich großen, fächerfförmigen Blätter, die sie in edler Anordnung nach allen Seiten ausbreitet. Eignen sich fast alle Palmen im Großen . und Ganzen mehr zu Einzelpflanzen, so die Fächerpalme ganz besonders. Es ist recht schade, daß sie, dem Gewächshause entnommen, zuerst die empfindlichste von allen ist und dadurch manchem die Freude ordentlich vergällen kann. Die Livistona passt in das ärmlichste Zimmer und in den glänzendsten Salon.

Da sie sich auf dem Fensterbrette schlecht oder gar nicht unterbringen läßt, so tut man immer gut, sie etwas entfernt vom Fenster auf einen Ständer so aufzustellen, daß das Licht von oben recht schön ihre Blätter trifft. Gegen plötzliche Temperaturerhöhungen, besonders durch Gaslicht, ist die Fächerpalme empfindlich. Ich habe einmal innerhalb weniger Wochen hübsche, starke Pflanzen verloren, weil in der Stube gelegentlich eines Besuches die ganze Nacht hindurch alle Gasflammen gebrannt hatten und später dann rücksichtslos gelüftet war.

Die Fächerpalmen über Sommer hinauszubringen halte ich nicht gerade für vorteilhaft. Im Wohnzimmer an dem Platz, an welchen sie sich nun einmal gewöhnt haben, wachsen sie besser. Bedeutend härter, ja fast die härteste aller Palmen ist die Dattelpalme, welche wir uns aus dem Samen der Datteln, die wir für wenig Pfennige bei jedem Kaufmann erstehen können, leicht zu ziehen vermögen. Die Dattelpalme hat schlanke, hochwachsende und in viele Fieder geteilte Blätter, die manchmal freilich etwas sparrig stehen. Dattelpalmen sieht man oft in Kellerwohnungen, wo sie sich trotz der doch sicher nicht günstigen Verhältnisse ungemein üppig entwickelt haben und in nichts auch nur andeuten, daß ihnen dieser Stand nicht ebensogut zusagte, wie der beim Gärtner im Mistbeetkasten oder Gewächshause. Dattelpalmen von Blumenfreunden aus Ausstellungen gebracht und völlig im Zimmer herangezogen, hatten über 3 m Höhe und an 30 Wedel! Schon von jung an sind die Pflanzen ungemein robust und kaum aus dem Samen hervorgegangen, vertragen sie es bereits, hinausgestellt zu werden. Freilich muß es Sommer sein, aber gleichgültig ist es ihnen, ob die Sonne frisch und frei auf sie herniederscheint oder durch mildtätige Äste eines Baumes abgeschwächt wird. Ich will damit aber nicht gesagt haben, daß man nicht besser tut, den kleinen Sämling im Zimmer zu behalten und zu pflegen.

Phönix reclinata, zurückgeschlagene Dattelpalme ist ebenso widerstandsfähig, aber bedeutend schöner, weil ihre Blätter noch länger werden und immer elegant überhängen.

Zwei Palmen möchte ich als Zimmerpflanze nicht vergessen: Rhapis fabellifornis , der sächerförmige Rhapis, und Prichardia filamentosa. Der Wuchs des Rhapis ist wieder mehr strauchartig, weil er von unten stets neue Triebe emporschickt, die Blätter sind fächerförmig von ungemein langer Dauer und enormer Widerstandsfähigkeit. Man kann alte Pflanzen Teilen und so schnell zu stärkeren Büschen kommen; aus Samen dauert es sehr lange, ehe man ansehnliche Pflanzen erzieht, weil Rhapis nur langsam wächst.

Prichardia filamentosa hat in ihrem Äußerem entfernte Ähnlichkeit mit einem Chamaerops . bildet aber nur einen Stamm. An den Blättern hängen graue Fäden herab, die der Pflanze ein eigenthümliches Aussehen gibt. Die Prichardia gedeiht ganz vorzüglich in Zimmern mit kühler feuchter Luft. Fenster, die einem Teiche zugewandt sind, passen ihr, ganz besonders sagt ihr Seeklima zu. Aus Samen gezogen entwickelt sie sich dort rascher als die Phoenixarten. Palmen, die man als größere Pflanzen mit 3-4 charakteristischen Wedeln kaufen muß, wenn sie im Zimmer gedeihen sollen, sind Kentien und Cocospalmen.

Kentia Belmpreana und Kentia Forsteriana kann man als die prächtigsten aller Palmen - als die majestätischsten bezeichnen. Sie haben große, elegant getragene geschlitzte Wedel – und S. sind 50 bis 75 cm groß schon im Vollbesitz ihrer Schönheit. - Die echte Cocospalme, cocos nucifera gedeiht nicht recht - dafür aber Cocos Wedelliana Wedells Cocospalme - die zierlichste aller Palmen mit fein gefiederten Wedeln. Wer Kentia und Cocos pflegt, muß zu der Pflege, welche er den anderen Palmen erweist, noch etwas hinzutun - sie mehr beobachten, liebevoller gießen und waschen. Ein Stand in der guten Stube, geschützt vor Zug, vor greller Sonne, vor Staub, aber doch warm, in der Nähe des Fensters im Sommer; im Winter im Wohnzimmer, wenn die Stube nicht geheizt wird, ist dringend notwendig.

 

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