Helenes Garten

Eine alte Welt


9. Die besten Pflanzen für das Zimmer


Diese Pflanzen bevorzugte man auch schon vor mehr als 100 Jahren als Zimmerpflanzen. - Lesen Sie mehr in der Pflanzenübersicht

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9.76 Pelargonium - Pelargonie, Geranie.

Wo einige dankbar blühende, ungemein zähe und anspruchslose Zimmerpflanzen ausgesucht werden sollen, da dürfen wir die Pelargonie nicht vergessen. Sie ist wie geschaffen für unsere trockene Zimmerluft und gedeiht darin im Winter besser als im Gewächshause.

Von den verschiedenen Klassen, in denen man die Pelargonien eingeteilt hat, ist die Klasse der Scarlet-Pelargonien oder Scharlach-Pelargonien die verbreitetste. Diese Pelargonien werden vom Blumenfreunde gemeinhin Geranien genannt. Sie tun sich hervor durch ihren kräftigen Wuchs, durch ihr reiches Blühen und durch die größte Willigkeit, sich allen Verhältnissen anzupassen. Ihre Blüten, die früher einmal hauptsächlich in Scharlachfarben glänzten, woher der Name Scharlach-Pelargonien, sind jetzt im dunkelsten Rot und reinstem Weiß vertreten, einfach- und gefülltblühend.

Die Scharlach-Pelargonien gedeihen in jeder Erde. Schwere Erde ist ihnen lieber als leichte; nur dort, wo man wenig sonnige Fenster hat, ist es geraten, leichte Erde, mit Sand vermischt, zu verwenden, um ein reiches Blühen der Pflanzen auch im Schatten zu erzwingen.

Das Umsetzen geschieht im Frühjahre. Man kann die Wurzeln tüchtig zurückschneiden und muß auch, sollen die Pelargonien hübsch buschig werden, das Einstutzen der Zweige nicht vergessen (Bild fehlt noch). Wenn alle Scarlet-Pelargonien im Winter gegen jeden Schnitt einen großen Widerwillen an den Tag legen und dann leicht stocken und faulen, so ist im Frühjahre doch davon nichts zu verspüren. Willig unterwerfen sie sich dem strengsten Rückschnitt und werden um so schöner, wenn ihnen nur eine geringe Zahl Augen belassen ist; 4-5 Augen an jedem Zweig genügen vollauf. Zweige, die dem ganzen ferneren Bau der Pflanze hinderlich werden können ohne Rücksicht vollständig fallen.

Alle Scarlet-Pelargonien lassen sich hinausbringen. Am besten entwickeln sich aber die Blüten auf einem trockenen, hellen Stande, am Fenster, in der Veranda, auch auf dem Balkon und in ähnlichen Räumlichkeiten sind sie unermüdlich im Blühen. Pflanzt man Pelargonien auf recht fette Gartenbeete, dann gibt es oft sehr üppigen Wuchs, aber nur kärgliche Blüte. Die Folge dieser unliebenswürdigen Eigenschaft ist, daß die Pelargonie selten volle Freiheit bekommt. Meistens, wenigstens dann, wenn man eine etwas schattige Lage und gar zu kräftigen Boden hat, werden die Pflanzen nur mit ihren Töpfen in den Boden eingelassen, und durch Herausheben der Töpfe gestört, sobald sie übermäßig treiben.

Zur Teppichgärtnerei eignen sich einfachblühende Sorten besser als gefülltblühende. Henry Jakoby mit dunkelroter Blüte ist besonders empfehlenswert. Ein Düngerguß ist den Pelargonien, wenn sie in Töpfen stehen, manchmal recht angenehm. Die Überwinterung der Scharlach-Pelargonien kann im Wohnzimmer geschehen, im kalten Zimmer, wenn es dort nicht friert, und im Notfall auch im halbhellen, trockenen Keller. Im Wohnzimmertreiben und blühen die Pflanzen unverdrossen, in weniger günstigen Räumen haben sie jedoch eine starke Neigung zum Faulen und dürfen dort

nicht gegossen werden; trotzdem stockt oft ein Blatt nach dem andern, manchmal bleibt keins an der Pflanze. Im Frühjahre treibt die Pelargonie aber freudig wieder aus, wenn die Triebe nur gut geblieben sind. Etwas empfindlicher sind die buntblätterigen Pelargonien. Sie vertragen im Winter auf keinen Fall einen Stand im Keller. Der schlechteste Stand für sie ist schon das Zimmer mit 2-3 °R Wärme.

Obgleich die buntblätterigen Pelargonien auch blühen, zieht man sie doch weniger der Blüthen als der oft recht hübsch gezeichneten Blätter wegen. Bronzefarben sind diese teilweise, teilweise weißbunt, selbst dreifarbig. Die buntblätterigen Pelargonien haben niemals den üppigen Wuchs der anderen und wenn sie einmal anfangen, ungemein rasch zu wachsen, dann ist es gewöhnlich mit ihrer Herrlichkeit vorbei, sie treiben nur grüne Blätter. Die Behandlung der buntblätterigen Pelargonien ist im Übrigen der der Scharlach-Pelargonien gleich.

Ganz anders als diese beiden Pelargonien sind die englischen Pelargonien, auch Odier oder großblumige Pelargonien genannt. Sie haben anderen Wuchs, sind viel sparriger, andere Blätter, mehr derbe, feste, gekräuselte, und andere Blüten; viel größer, viel leichter gebaute, viel ausfallendere. Leider auch noch in anderer Weise sind die englischen Pelargonien von den Scarlet-Pelargonien verschieden; sie sind viel empfindlicher und während die letzteren im ersten Jahre am schönsten sind, werden die englischen Pelargonien, wenigstens im Zimmer, im zweiten und dritten Jahre erst am besten. Dann können sie allerdings mit einer Blütenpracht überdeckt sein, die staunenerregend ist. Die englischen Pelargonien vertragen sehr starken Rückschnitt nicht, besonders nicht im Zimmer. Sie entwickeln sich am besten, wenn man so wenig wie möglich schneidet und die Pflanzen dauernd am sonnigen Fenster stehen läßt, wo ihnen zeitweiliger Schatten während starker Sonnenglut sehr gut tut. Wenn man die englischen Pelargonien zurückschneiden will, soll man dies nicht im Frühjahr tun, es ist im Sommer nach der größten Blüte erst die beste Zeit dazu; dann bilden sich noch junge Spitzentriebe, welche im nächsten Jahre reichlich Blüthen bringen. Pflanzen dagegen, die im Frühjahre geschnitten wurden, tragen selten noch Blüthen. Die englischen Pelargonien haben es sehr gern, hin und wieder überspritzt zu werden; ein zeitweiliger Dungguß ist ihnen sehr genehm.

Man sollte den Pflanzen nie zu große Töpfe geben; sie wachsen schlecht darin, weil sie gegen große Bodenfeuchtigkeit ungemein empfindlich sind.

Bei ungünstigem, kaltem und feuchtem Stande kann man die englischen Pelargonien fast quittengelbe Blätter bringen sehen; nur Wärme und zugleich halbschattiger Stand bringt in solche Pflanzen wieder rechtes Leben.

England und Frankreich sind die Länder, in denen die Pelargonien mit ihren großen gefleckten Blüten viel gezogen werden. Unsere deutschen Gärtner befassen sich nicht häufig mit der Zucht; wenn sie es aber tun und wirkliche Prachtexemplare ziehen wollen, dann stellen sie die Pelargonien in einen Mistbeetkasten, lüften diesen dem Wetter angemessen, doch immer nicht zu stark, beschatten den Kasten und

behandeln die Pflanzen vor der Blüte in Bezug aus feuchte Luft, fast wie Warmhauspflanzen, d.h. spritzen 2- bis 3mal am Tage. Ohne dieses Spritzen treten Blattläuse leicht auf und verderben die Üppigkeit der Pflanzen.

Wieder anders als die großblumige Pelargonie ist die Efeublätterige Pelargonie, die in neuerer Zeit mit Recht sehr beliebt geworden ist. Unser Bild gibt uns einen Begriff von dem Charakter dieser Pflanze, - nicht mehr mit gedrungenem Wuchs und immerhin etwas plumper Blüte, nicht mehr mit sparrigen Trieben, sondern mit graziösen Zweigen, mit hübschen, glänzenden, lederartigen Blättern, so präsentiert sie sich, lebensvoll und keck.

Muß man ihr nicht gut sein? Umso mehr, als es nicht eine Farbe ist, die sie trägt, nicht eine Form ist, die sie hat, denn es gibt einfach- und gefülltblühende Sorten, Sorten mit den mildesten Farben in rot und auch mit den schreiendsten, damit jeder befriedigt werde.

Das Efeublätterige Pelargonium macht lange, oft meterlange Triebe, die nicht die Kraft haben, sich zu halten, sondern einer Stütze bedürfen, wenn sie in die Höhe wachsen sollen. In Folge dessen eignet es sich besonders dazu, kleine Gestelle aus Holz oder Draht zu überziehen, die Pfählchen zu umranken, die man zu dreien in einen Topf stecken kann, und als Ampelpflanze zu dienen. Reizenderes,als kräftig gewachsene und überreich blühende Pflanzen in einer Ampel gibt es kaum.

Das Efeublätterige Pelargonium ist nicht empfindlicher als die Scarlet-Pelargonien. Es gedeiht im Freien sehr gut, auf dem Balkon wenigstens in seinen härteren Sorten. Will man die hübsch gefüllten und dabei mit zarter Blütenfarbe ausgestatteten Sorten besonders schön entwickelt haben, dann allerdings ist der Balkon nicht der geeignete Ort, aber das halbschattige Fenster in luftiger Stube. Hier wollen die Pelargonien am Tage wenigstens einmal gespritzt werden, solange sie nicht blühen und reichlich Wasser erhalten. In der Ampel ist dort ein freies Auswachsen der Triebe zulässig, nicht am Gestelle, hier hindern sie, brechen auch ungemein leicht ab und müssen deshalb sorgfältig angeheftet werden.

Die Überwinterung der Efeublätterigen Pelargonien geschieht am vorteilhaftesten im kühlen, hellen Zimmer bei 4-6 °R. Im Keller faulen die Pflanzen, im Wohnzimmer treiben sie zu leicht und entkräften sich.

Es gibt nun noch mehrere Pelargonienarten, so die mit wohlriechenden Blättern, die knollenartigen etc., doch sie haben für uns Blumenfreunde keinen besonderen Wert. Wir würden auch, wenn wir sie erwerben wollten, Schwierigkeiten haben, weil die meisten nur in botanischen Gärten gezogen werden. Alle Pelargonien lassen sich leicht durch Samen und noch leichter durch Stecklinge vermehren. Der Same, dessen Aussaat

insofern einigen Reiz bietet, als man Gelegenheit bekommt, neue Spielarten zu züchten, wird im Juli oder August in leichte Erde ausgesäet.

Die jungen Pflänzchen müssen über Winter an hellem Platze bei 2-9°R Wärme ausgestellt werden. Pelargonienstecklinge lassen sich um dieselbe Zeit machen, und zwar von den Scarletund buntblättrigen Pelargonien sowie von Efeublätterigen Pelargonien ohne jede besondere Vorrichtung, an halbschattigem Platze im Freien oder im Zimmer. Man kann mehrere Stecklinge in einen Topf stecken und ihn in den Boden einsenken, man kann aber auch die Stecklinge in den Gartenboden selbst stecken und sie nach der Bewurzelung in Töpfe bringen. Unter lichten Bäumen, unter den

Büschen des Spargels, am Rande lichter Strauchpartien, da wurzeln

die Pelargonien am willigsten . (Bild S. 24.)

Die Vermehrung der Scarlet- und buntblättrigen Pelargonien im Herbste geschieht besonders dann, wenn man große Mengen Pflanzen für die Teppichbeete haben will. Junge Pelargonien geben im Frühjahre bereits Stecklinge und können schon auf diese Weise ausgenutzt werden.

Im Frühjahre ist etwas mehr Sorgfalt notwendig, um die Stecklinge zur Bewurzelung zu bringen. Man muß sie dann auf jeden Fall einzeln oder zu mehreren in Töpfe stecken und ans Fenster des Wohnzimmers stellen. Eine Glasglocke unterstützt die Bewurzelung nicht, sie verdirbt höchstens die Stecklinge, weil sie unter derselben faulen. Von den englischen Pelargonien macht man die Stecklinge am vorteilhaftesten auf jeden Fall im Herbst, wenn man nach der Blüte schneidet. Die Stecklinge wachsen aber nicht im Freien; sie müssen in Töpfe gesteckt werden und an einem nicht zu sonnigen und zu heißen Ort kommen.

Die Petunie hat viele Freunde, weil sie nicht anspruchsvoll ist und überall wie Unkraut wächst. Gewöhnlich, wenn man nicht Wert auf besondere Arten legt, sät man den seinen Petuniensamen im Februar oder März aus. Die jungen Pflänzchen werden alsdann verstopft und nachher einzeln in Töpfe gepflanzt oder zu vielen in Kästen, die später auf den Balkon kommen oder als Fensterbrett draußen dienen. Hier, als Kastenpslanze aus dem Balkon, ist die Petunie fast unbezahlbar. Sie treibt ihre Zweige an dem Geländer hoch, treibt da und dort durch dessen Öffnungen hinaus, macht hier Blüten, dort Blüten und verwandelt das ganze Geländer nach kurzer Zeit in eine Blumenwand, die weit hin leuchtet. Auch als Ampelpflanze hat die Petunie hohen Wert. Sie blüht ununterbrochen den ganzen Sommer und verlangt dabei nur hellen oder doch halbhellen Stand, tüchtiges Gießen und, sobald die Nahrung im Gefäße ein wenig karg bemessen, häufiges Düngen. Die besseren Petunienarten mit starkgefüllten Blumen haben kein so üppiges Wachstum, als die einfachblühenden. Sie können als Balkonpflanze. deshalb weniger dienen, sind aber als Einzelpflanze im Topfe um so schöner. Wenn man guten Samen erhalten hat, können von 100 Samen etwa 20 gefüllte Petunien bringen. Die Aussaat ist also für den Blumenfreund, wenn er nicht große Mengen ziehen kann, immer etwas unsicher. Er greift daher bei gut gefüllten Petunien besser zur Stecklingszucht. Die alten Petunien lassen sich ja leicht im kalten oder halbwarmen Zimmer den Winter durchbringen und ihre im Frühling hervorkommenden Triebe machen als Steckling ziemlich sicher Wurzeln.

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