9.77 Philodendron - Zehrwurzelstrauch.
Ein lieber Stubengenosse ist der Philodendron, welcher in, Freud und Leid nahezu immer dasselbe Aussehen behält, unverdrossen eins seiner großen, schönen Blätter nach dem andern treibt, unverdrossen aber auch eins nach dem andern unten am Stamm wieder gelb und schlecht werden läßt. Daß er also niemals viele Blätter hat - wenn es hoch kommt, sind es sechs -, deshalb dürfen wir nicht mit ihm rechten, das ist seine Art. Aber schön ist der Philodendron trotzdem, und wenn wir wirklich den dicken knorrigen Stamm, der aus seinen Ringen mannigfach Luftwurzeln getrieben hat und sie stützend zur Erde schickt, nicht mit unserm Schönheitssinn in Einklang zu bringen vermögen, dann ist es ja ein leichtes, aus dem großen, hohen Stocke einen niedrigen zu machen. Wir brauchen nur dicht unter dem letzten Blatte, womöglich mit Benutzung einer Luftwurzel, einen kleinen Kasten aus Holz anbringen und ihn mit leichter Erde füllen. Flugs haben sich dort, ist die Erde regelmäßig feuchtgehalten, soviel Wurzeln gebildet, als zur Erhaltung der Blätter und zum lustigen Weiterbetrieb notwendig sind und wir können ohne jeden Nachteil die bewurzelte Spitze abschneiden. Der knorrige, alte Stamm ist
damit aber nicht getötet. Er treibt von neuem aus. Er kann es auch, wollen wir eine tüchtige Anzahl von Philodendron haben, zur Vermehrung benutzt werden, indem er einfach in fingerlange Teile zerschnitten wird. Diese Teile müssen liegend oder aufrecht in einen Topf mit Erde kommen und im ersteren Falle ganz mit Erde bedeckt sein, im letzteren soll der obere Teil 1 cm hoch heraussehen. Ihre Luftwurzeln schneiden wir eventuell aus Fingerlänge ab. Aus jedem Stücke bildet sich eine junge Pflanze.
Anfangs sind die Blätter junger Pflanzen nicht besonders schön. Sie zeigen keine Spur von Lappen oder von Durchlöcherung. Erst spätere Blätter, die größer wachsen, zeigen die charakteristischen Merkmale des Philodendronblattes.
Eine besondere Behandlung der jungen Pflanzen gibt es nicht. Sie vertragen dasselbe und sind mit Gleichem zufrieden wie die alten; das wäre also zunächst ein nicht zu dunkler Stand, hübsch ruhig, vor Zugluft und starker Trockenheit geschützt, dann eine gute, kräftige Erde und regelmäßig Wasser. Der Philodendron liebt viel Wasser, trocken darf er nicht stehen. So einfach diese Bedingungen sind, recht häufig sieht man sie unerfüllt. Mancher, der seinem Philodendron etwas besonders Gutes erweisen will, stellt ihn über Sommer auf den Balkon oder draußen auf das Fensterbrett; die Folge ist dann Rückgang im Wuchse und schlechte, verbrannte Blätter. Der Philodendron liebt es nun einmal nicht, gar zu sehr ans Tageslicht gezogen zu werden; halbschattig, im Freien unter hohen Bäumen, ja, das ist etwas anderes, das ist eine Wohltat, dafür sich auch recht bald der Dank in regem Wachstum zeigt. Sommer und Winter kann der Philodendron im Wohnzimmer stehen; Ungeziefer findet sich bei ihm nicht, nur den Staub müssen wir häufig von seinen Blättern wischen, auch öfteres Überspritzen nicht vergessen.








