9.80 Primula chinensis - chinesische Primel
Herzig sind die Primeln, wenn sie uns im Winter mit ihren hübschen Blüten entgegenlachen und bei ihrem niedrigen Wuchs förmlich wie eine farbenprächtige Blüteneinfassung auf der Fensterbank aussehen. Ja, auf der Fensterbank, an nicht zu warmen aber sonnigem Fenster, da ist ihr Lieblingsplatz. Da entfalten sich ihre Blüten langsam, und da entwickeln sich aus dem Herzen der Pflanze immer neue und gleich kernige, gedrungene Blütenstiele. Steigt die Temperatur über 10 Grad, wird die Wärme den Primeln unangenehm und wir haben dann alle jene Folgen, die wir so oftmals beklagen hören, unansehnliche kleine Blüten, übermäßigen, unschönen Wuchs der Blätter und Blütenstiele, sowie vorzeitiges Aufhören des Blühens. Mäßige Wärme, 8 -10 °R,ist daher eine Hauptbedingung, wenn wir schöne Primeln haben wollen. Zumeist kaufen wir unsere Primeln blühend oder doch mit Knospen versehen vom Gärtner. Es ist dies sicherlich am einfachsten, und, wenn wir die ungeheure Sorgfalt und Mühe berechnen, welche die Aufzucht junger junger Primeln im Zimmer verursacht, sicher auch am rationellsten. Wer es nicht selbst durchgemacht hat, der will es gar nicht glauben, wie vorsichtig die jungen Samenpflanzen behandelt sein wollen und wie wenig dankbar die im Alter doch so leicht zufrieden zu stellenden Pflanzen sind. Der Gärtner zieht die Pflanzen leicht heran. Er bringt sie noch ganz jung in den Mistbeetkasten
und hier stehen sie unter den tüchtig beschatteten Fenstern und bei der verhältnißmäßig nicht zu starken Lüftung kühl und stets in feuchter, gleichmäßiger Luft. Das ist, was sie verlangen, und das ist, was wir, wenn uns nur das Zimmer zur Verfügung steht, in so geringem Maße bieten können. Daher unsere Mühe und oft unser Mißerfolg.
Wenn wir doch unsere Primeln selbst heranziehen wollen, dann ist es notwendig, den Samen mindestens einen Monat früher auszusäen, als der Gärtner, und zwar deshalb, weil unsere Pflanzen nicht so rasch wachsen. Im Mai machen wir die erste Saat, im Juni die zweite. Der Same wird in Schalen oder in Töpfe mit sandiger Heideerde ausgestreut und, nachdem er vorsichtig mit Erde bedeckt und angegossen ist, wird eine Glasscheibe über das Gefäß gelegt. Ein warmer Platz ist zum Keimen dringend erforderlich, außerdem Schatten und immerwährende Feuchtigkeit. Sobald die jungen Pflänzchen 3-4 Blätter gemacht haben wird die Glasscheibe entfernt. Bald darauf verstopft man die Primeln in eine Schale immer in Heideerde und pflanzt sie, sobald sich ihre Blätter hier berühren, einzeln in kleine Töpfe. Nachdem die Töpfe durchwurzelt sind wird zum letzten Mal verpflanzt und zwar in Töpfe Nr. 3 oder 4. Größere Töpfe sind nicht vorteilhaft.
Beim letzten Verpflanzen nimmt man Lauberde und Mistbeeterde zu gleichen Teilen. In gewöhnlicher Gartenerde, ist sie nicht besonders gut, wollen die Primeln nicht recht weiter wachsen. Wenn wir keine Mistbeetkästen haben, müssen die jungen Primeln stets auf der Fensterbank des gut gelüfteten Zimmers bleiben. Im Freien verkümmern sie.
Es werden von Primeln mehrere Aussaaten gemacht, um den ganzen Winter über blühende Pflanzen zu haben. Eine Aussaat, beispielsweise die erste, würde nur blühende Pflanzen geben für den November, Dezember, vielleicht auch noch für den Januar. Länger könnte man diese Pflanzen selbst im kühlsten Zimmer bei 2-3°R nicht mehr zurückhalten. Sie würden dort wenig hübsche Blüten und mit zu kurzem Stiele bringen.
Am schönsten sind die Primeln im Winter, vom November bis zum Mai, früher und später sind die Blüten nicht mehr groß und hübsch, besonders die roten Blüten verblassen dann. Man kann Primelpflanzen mehrere Jahre haben, die einjährigen sind aber immer die schönsten. Am verbreitesten sind die weißblühenden Primeln, LrImuiaPrimula chinensis fimbriata alba und alba compacta , dann die Kermesiana Sorten, mit dunkelroten Blüten; in neuer Zeit Kermensiana atropurpurea mit fast sammetner Farbe.
Gefüllte Primeln, von denen die gewöhnliche weiße am häufigsten anzutreffen ist, werden nicht aus Samen, sondern aus Stecklingen gewonnen. Die Stecklingszucht ist aber mindestens ebenso schwierig, als die Zucht der einfachen Primeln aus Samen. Es werden zu Stecklingen die Seitentriebe benutzt, die sich, sind sie nicht vorhanden, bilden, sobald man die Spitze ausbricht oder sie als Steckling verwendet.
Die gefüllten Primeln vertragen und lieben mehr Wärme als die einfachen. Wenn man beabsichtigt Stecklinge zu machen, ist es von hohem Wert, daß die Pflanzen zuvor warm gestanden und rasch gewachsen sind. Solche Spitzen treiben viel besser Wurzeln. Jede Spitze muß, soll sie als Steckling benutzt werden, 6-10 Blätter haben. Sie wird mit einem kleinen Stäbchen versehen, damit sie nicht umfallen kann und dann recht flach mit mehreren anderen ihresgleichen in einen Topf mit Sand gesteckt. Eine Glasglocke ist unentbehrlich. Februar und März sind zum Stecklingmachen am geeignetsten. Die jungen Primelstecklinge wachsen nicht leicht; aber faulen ungemein gern, weil sie sehr empfindlich gegen zu große Feuchtigkeit sind. Überspritzen sollte man sie nicht. Ist es nötig, Wasser zu geben, dann feuchter man nur den Sand an, in welchem sie stehen. Das öftere Abtrocknen der Glasglocke von dem niedergesetzten Wasser,
verdient unsere volle Aufmerksamkeit. Es gibt noch eine andere Art, gefüllte Primeln zu vermehren: Man füllt um die alte Pflanze Erde, oder legt bis dahin, wo die Triebansätze sind, Moos - Sphagnum. Werden Erde oder Moos stets feucht gehalten, machen die Triebe dort hinein Wurzeln und können mit denselben abgeschnitten und eingepflanzt werden. Einfacher ist die Methode sicher, aber es dauert bedeutend länger, bevor man zu jungen Pflanzen kommt. Eine neue Primelart, Primula obconica , läßt sich im Zimmer aus Samen viel leichter heranziehen als Primula chinensis. Man säet im Februar, März. Primula obconica blüht den ganzen Sommer hindurch und hört auch im Winter nicht auf. Es gibt verschiedene Farben: weiß, rosa. Ich möchte sie, wo man die chinesische Primel nicht kaufen kann, mehr empfehlen als diese. Als ältere Pflanze wird sie manchmal lästig, weil ihre Blätter dann brennen können, ähnlich wie es Brennnesseln machen.








