Helenes Garten

Eine alte Welt


9. Die besten Pflanzen für das Zimmer


Diese Pflanzen bevorzugte man auch schon vor mehr als 100 Jahren als Zimmerpflanzen. - Lesen Sie mehr in der Pflanzenübersicht

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9.85 Rose

Meine Rose will nicht blühen! Dieser Ausruf zeigt die Schattenseiten unserer Rosenzucht im Zimmer, wenigstens der Rosenzucht, wie wir sie fast ausnahmslos im Zimmer betreiben. Diese Rosenzucht beruht darauf, die Rosen durch Stecklinge heranzuziehen, sie wurzelecht zu haben, wie der Gärtner es nennt. Dazu sind aber die wenigsten Rosen geeignet. Sie wachsen wohl hübsch kräftig, aber Blüten bringen sie weniger. Ausnahmen gibt es freilich und solche finden sich unter den Monatsrosen und den schwach wachsenden Theerosen, aber es sind eben nur Ausnahmen. Eine einträgliche Rosenzucht kann sich dieselbe wohl zu Nutze machen, aber sich fast vollständig darauf aufzubauen, das vermag sie nicht. Wir müssen darum in sehr vielen Fällen auf die bequeme Zucht der Rosen aus Stecklingen verzichten und Rosen ins Zimmer bringen, die veredelt sind. Aber selbst hier besteht noch ein gewaltiger Unterschied. Es ist nicht gleichgültig, ob wir Rosen nehmen, die aus den Wurzelhals veredelt wurden, also dort wo Stamm und Wurzel in einander übergehen, oder Veredelungen, welche etwa handhoch, oder auch höher gemacht sind. Die letzteren dienen uns weit mehr weil sie erfahrungsgemäß dankbarer blühen, jedoch weniger stark treiben.

Ein weiterer wichtiger Moment bei der Rosenzucht im Zimmer ist die Pflege selbst. Alle unsere Rosen sind luft- und lichtliebende Pflanzen. In dunklen, überheiztem Zimmer vermögen sie nicht zu gedeihen, ihr Stand ist im Sommer, wenn es einen Garten gibt, dieser, sonst das luftige, nicht immer bewohnte Zimmer, dicht am geöffneten Südfenster, oder das geschützte Fensterbrett draußen. Hier wie dort gebrauchen sie bei lebhaftem Triebe oft Wasser und ist ihnen einen Dungguß angenehm.

Alle Rosen wachsen am liebsten in schwerer Erde. Wer sie haben kann, kommt mit Rasenerde, die im letzten Stadium der Zersetzung sich befindet und der unoch zur Hälfte fast verrotteter Dung beigemischt ist, am weitesten. Die Rasenerde wird aus Grassoden gewonnen. In gewöhnlicher Gartenerde, welcher etwas Lehm beigefügt wird, gibt es jedoch auch gute Resultate. Das Verpflanzen der Rosen braucht nicht alljährlich zu geschehen. Man kann es alle zwei Jahre vornehmen, muß aber dafür in einem Jahre die Erde aus dem Topfe etwas an der Oberfläche entfernen und durch neue ersetzen.

Vor dem Verpflanzen oder dem Ausfüllen werden die Rosen geschnitten. Starkwachsende Rosen sollen wenig, schwachwachsendes stärker zurückgeschnitten werden, so lautet die allgemeine Regel und sie gibt den besten Wegweiser. Wir werden darnach eine Glorie de Dijon , eine Marechal Niel und ähnliche stark treibende Rosen niemals viel mit dem Messer berühren, höchstens 1/3 der Zweiglänge fortnehmen; Rosen wie Niphetos, Herzogin Mathilde , William Francis Bennet , die nicht aus sich herauswollen, aber stärker zurückstutzen . Doch auch hier gibt es eine Grenze, besonders bei der Topfrose, die nie soviel Lebenskraft hat als eine Landrose. 4 bis 5 Augen sollten immer stehen bleiben. Theerosen sind im Ganzen besser zur Zimmerkultur als Remontant-Rosen, weil sie fast ununterbrochen blühen und weil sie bei ihrer größeren Empfindlichkeit gegen Kälte und rauhe Luft im Zimmer passendere Verhältnisse finden. Hervorzuheben wären von starkwachsenden Sorten, die also des Schnittes sehr wenig bedürfen: Marechal Niel , die schönste gelbe und am besten duftende Rose, Glorie de Dijon, rahmweiß, Cloth Marie Henriette, gelb Madame Berard, rehfarben, Belle Lyonaise, Reine Marie Henriette. Man kann die langen Ruthen dieser Rosen kranzförmig herunterbiegen oder sie in verschiedenen Windungen auf ein Gestell ziehen und wird dann stets die Freude haben, daß reichlich Blüten kommen.

Weniger starkwachsend sind: Jean Dutcher, Catherine Mermet, fleischfarben, Perle de jardings, Souvenier d`un ami, und schwachwaqchsend Adam, blaßrosa Madam Bravy rosa, Monsineur Fortunato, schwefelgelb, Niphetos, rahmweiß, Mistress Bosanquet, die neue rein weiße Kaiserin Auguste Victoria, ferner Grace Darling, Viscountness of Folkeston

Während die meisten der Theerosen einen mehr hängenden, graziösen Wuchs haben, streben die viel robusteren Remontant-Rosen allesammt aufwärts. Ihnen sind immer die kältesten Stellen am Fenster zu reserviren und ist der Schnitt stets ein etwas schärferer. Empfehlenswerte Sorten sind : La France, rosa, sehr dankbar blühend, Capitain Christy, mit großer fleischfarbender Blüte und sehr gedrungenenm Wuchs, Charles Lefebre, prupur carmoisin, Prince Camille de Rohan, carmoisin, Dupuy Jamain, Alfred Colomb, La reine, Mad. Boelle, Mereville de Lyon, Mad. Caroline Testout, Magna Charta

Alle Remontant-Rosen verlieren leichter die Blätter als Teerosen, oft sind sie im Sommer nach der ersten Blüte fast ganz kahl. Sie treiben aber ungeachtet dessen im Spätsommer wieder hübsch, blühen auch dann, und tut sich besonders darin La France hervor, welche um diese Zeit erst ihre vollendetsten Blüten bringt. Alle Remontant-Rosen sind wurzelecht noch fast schwerere Blüher als die Theerosen. Sehr dankbare Rosen im Zimmer sind auch die kleinen, erst in neuerer Zeit wieder in Mode gekommenen Miniaturrosen. Sie bringen die Blüten immer zu mehreren und blühen fast ununterbrochen, ab er die Blüten sind nur klein,

nicht viel größer als gefüllte Weißdornblüten Parquette, Miniature sind reizende Repräsentanten. Nun wäre noch der Monatsrosen zu gedenken, die leider immer mehr vernachlässigt werden, und doch ist die zu ihnen gehörige Hermosa eine Zimmerpflanze mit sehr vielen guten Eigenschaften. Hermosa wird nur wurzelecht gezogen, weil sie auch dann ihre Blüten mit gleichem Eifer treibt. Sie bleibt niedrig und verträgt noch die dumpfe Atmosphäre kleiner schlechter Zimmer. Die Blüten sind rot, leicht gefüllt und nicht von langer Dauer, dafür sind aber die länglichen Knospen um so reizender. Im Freien wird Hermosa viel zu Teppichbeeten benutzt und bildet sie dort mit ihren dünnen, fortwährend herunter zu hakenden Zweigen eine hübsche grüne Decke.

Im Zimmer sind kleine Töpfe am vorteilhaftesten. Die Vermehrung durch Stecklinge geschieht bei allen Rosen im Juli oder August aus Trieben, welche bereits ordentlich hart geworden sind. Man schneidet den Steckling aus drei Augen und macht dicht unter dem letzten Auge den schrägen Stecklingsschnitt.

Die Blätter bleiben bis auf das unterste. Es kommen die Stecklinge zu mehreren in einen Topf oder eine Schale mit Sand oder Erde und darüber eine Glasglocke. Der Stand muß recht sonnig sein; beschattet wird nicht, aber häufig, in Pausen von 1—2Stunden, gespritzt, so daß der Sand fortwährend feucht ist. Bei solcher Behandlung wachsen die Stecklinge fast sämmtlich. Wenn sie bewurzelt sind, wird immer mehr und mehr gelüftet, bis die jungen Rosen schließlich ganz frei stehen. Die Pflänzchen noch einzeln in kleine Töpfe zu pflanzen, wenn der Herbst bereits vorgeschritten ist, bringt Nachteile bei der späteren Überwinterung. Am besten bleiben sie im Stecklingstopfe, und nur wenn die Vermehrung recht früh geschah, ist ein Umpflanzen im ersten Jahre zweckmäßig. Das Veredeln der Rosen ist eigentlich nicht schwieriger und umständlicher, als die Anzucht aus Stecklingen. Mann kann im März und April veredeln, wenn man Stämmchen der Rosa canina, einer wilden Rose, im November eingepflanzt und im Januar ins warme Zimmer gebracht hat. Die Stämme müssen mindestens bleifederstark sein. Das leichteste und bequemste Veredeln ist das Okuliren: Einsetzen eines edlen Auges in den Wildstamm. Es kann aber nur erfolgreich geschehen, wenn der Wildling tüchtigen Trieb

hat und seine Rinde vom Holze löst, sich etwas abheben läßt, sobald . ein T-Schnitt bis aufs Holz gemacht wird, aber ja nicht tiefer! Diesen T-Schnitt machen wir da, wo wir das Edelauge einsetzen wollen. Schon vorher sind Edelreiser, d. h. gut ausgereifte Rosenzweige mit ordentlich ausgebildeten Augen, geschnitten oder gekauft.

An ihnen werden die Blätter entfernt, die Blattstiele aber bleiben, damit sie eine bequeme Handhabe bieten. Das Abtrennen des Edelauges erfordert große Sorgfalt. Es wird ausgeführt, indem man den Rosenzweig, an dem sich die Augen befinden, umgekehrt in die Hand nimmt und nun mit einem haarscharfen Messer 1 bis 2 cm oberhalb eines Auges ansetzt, und die Rinde mit dem Auge in dünner Schicht bis etwa 1 cm unter dem Auge abschneidet.

Das abgeschnittene Auge wird mit dem daran gebliebenen Rindenstücke in den vorhin gemachten Schnitt dez Wildlings zwischen Holz und Rinde eingeschoben, dann die fertige Veredelung verbunden.

Veredeln, wenn das Okuliren nicht möglich. Schatten geben. Oftmals, wenn der Wildling nicht gut treibt, will die Rinde nicht lösen, sie ist wie am Stamme festgeklebt, und wenn wir das Messer zu Hilfe nehmen, um sie vorsichtig abzusprengen, entstehen Fasern; solche Wildlinge lassen sich nicht okuliren. Bei ihnen müssen wir eine andere Veredelungsart anwenden. Sie wird veranschaulicht durch unser zweites Bild. Es ist durch scharfen Schnitt vom Wildling ein Stückchen Rinde mit etwas Holz abgespalten. In diese Spalte wird das daneben gezeichnete Edelauge gelegt, dann der Spalt geschlossen und verbunden. Bei beiden Veredelungsarten ist eine Hauptsache: sicherer, glatter Schnitt und schnelles Einsetzen. Trocknet der Schnitt längere Zeit an der Luft, so darf man sich über das Mißlingen nicht wundern. Nach 3-4 Wochen ist es Zeit den Verband zu lösen, damit das Auge Platz bekommt. Ist das Edelauge fingerlang getrieben, schneidet man den Wildling dicht über diesem Trieb ab und verstreicht die Wunde mit Baumwachs.

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