9.1 Abutilon - Sammetpappel - Samtpappel
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Welche pflanzen wählte man vor mehr als 100 Jahren für die Wohnung aus
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9.1 Abutilon - Sammetpappel - Samtpappel
Gewöhnlich finden wir die Abutilon in leichte Erde gepflanzt; das sollte nicht sein! Kräftig wie möglich, wenn es geht etwats lehmig, so ist die Erde dem Abutilon lieb. Dann die Temperatur - gar zu hohe Wärme schadet ebenso sehr wie Kälte. Am besten wächst das Abutilon auf einem Fensterbrette stehend, dem Glase recht nahe; besonders gilt dies im Winter. Über Sommer ist ein entfernterer Stand zulässig, doch der erstere entschieden vorzuziehen, wenn gegen brennende Sonnenstrahlen, also etwa von 9, 10 Uhr ab, Schutz durch Gardinen, Rouleaux etc. geschaffen wird. Auch ein Stand im Freien ist den Pflanzen im Sommer gar nicht unangenehm.
Mit denTöpfen an halbschattiger Stelle in die Erde eingelassen oder gar auf sonnige Beete mit guter Erde ausgepflanzt, Entwickeln sie sich ungemein schnell und üppig. Selbst in größeren Kästen zu mehreren eingesetzt und auf den Balkon gebracht, wachsen sie lustig, doch muß man alle Abutilon die im Freien stehen rechtzeitig ins Zimmer zurückbringen. Hat im Herbst längere Zeit kaltes- Wetter sie getroffen, so stockt der Wuchs und läßt sich schwer wieder anregen. Die Blütengabe im Winter, welche Abutilon so traut macht, ist dahin und man kann solche Stöcke, fehlt es an Platz, in das kalte Zimmer oder den Keller bringen.
Das Abutilon ist also nicht speziell eine Pflanze für kalte oder für warme Zimmer. Es gehört zu den vielen Gewächsen, die in beiden durchgebracht werden können, ihre wirkliche Schönheit aber nur in einem derselben, und zwar im Wohnzimmer erlangen. Die Anzucht der Abutilon geschieht aus Stecklingen und aus Samen. Die Zucht mit Samen ist zeitraubender, und man weiß bei den aus Samen gezogenen Pflanzen nie, ob gute oder schlechte Blüher gewonnen sind. Aus Samen von weißen Blumen können Stöcke mit großen und kleinen, rothen, weißen und lila Blumen hervorgehen. Die Aussaat des Samen geschieht im Februar. Stecklinge werden im Frühjahr gemacht (März, April, Mai); die Triebe müssen frisch gewachsen sein und außerdem soll man nur Spitzen mit 3 - 4 Blättern verwenden. Sie kommen zu mehreren in einen Topf mit Sand oder Erde, darüber eine Glaöglocke. Das Bewurzeln dauert 3 - 4 Wochen. Wenn die Stecklinge anfangeb auch etwas welken, was sie gern tun, es schadet nicht.
Solange das Abutilon stark wächst, verbraucht es viel Wasser, eventuell auch Dungguß, wöchentlich mehrere Mal. Im Freien ist Kuhdung am vorteilhaftesten, doch kann man dort auch Blut- und Knochenmehl verwenden. Blut ist besonders dann angebracht, wenn bei regem Wachsthum gelbe Blätter getrieben werden. Weißgelbe Blätter und schwaches Wachstum sind Zeichen, daß die Pflanzen entweder zu kalt stehen oder zu viel gegossen sind. Im Winter läßt das Wasserbedürfniß nach. Die Stöcke, welche im warmen Zimmer treiben und blühen, bedürfen aber doch beinahe tagtäglichen Gießens. Im kalten Zimmer ist vielleicht in Zwischenräumen von 4-5 Tagen das Nachsehen nötig, öfter fast noch das Reinigen von gelben Blättern und stockenden, faulenden Trieben.
Alle Abutilon oder Sammetpappeln werden im Frühjahre umgesetzt. Man gibt nicht zu große Töpfe, nimmt lieber vom Wurzelballen etwas fort; aufgelockert muß der Ballen auf jeden Fall werden. Fast immer ist es geraten, im Frühjahre beim Verpflanzen die Triebe zu kürzen; ziemlich scharf sogar.
Eins der besten Abutilon für Zimmer ist die Schneerose. Es blüht äußerst dankbar, hat große weiße Glocken und gelbe Staubgefäße. Aus Neuholland kommen die echten Akazien und werden zu niedlichen, hübsch beblätterten Bäumchen mit gelben, zierlichen Blüten. Sie gelten als empfindliche Zimmergewächse und dies sind sie auch, wenn man die groß gekauften Pflanzen zu Anfang nicht ganz vorsichtig behandelt und sie an die Zimmerluft zu gewöhnen sucht. Haben sie sich erst gewöhnt, so ertragen sie manche Widerwärtigkeit; die Gewöhnung dauert oft lange und ist es besser, sich aus Samen Pflanzen zu ziehen.
Die kleinen, braunen, hartschaligen Samen keimen, wenn der Stand warm genug (15-20°R.), schon in 8-14 Tagen, nicht auf einmal, immer nach und nach. Ich habe sie Februar, März in Sägemehl ausgesäet und dann die jungen Pflänzchen in gute gepfanzt. Hier wie dort, wenn auch in der besseren Erde kräftiger. Beim Keimen der Samen kommt es häufig vor, daß die kleinen Blätter die Samenschale nicht abwerfen können. Man muß dann ein wenig nachhelfen und die hemmenden Platten vorsichtig fortzupfen. Als Stecklingen wachsen Akazien nur schlecht, einige Arten gar nicht, dazu gehört Lancia. Die jungen Sämlinge werden in der ersten Zeit öfters verpflanzt. Sie treiben dabei im Zimmer bei einem hellen, der trockenen Platz recht schnell. Über Sommer erbitten sie im Wohnzimmer viel Luft. In der Nähe des offenen Fensters, oder besser noch im Garten auf geschütztem Beete gefällt es ihnen. Selbst auf einem geschützten Balkon dürfen wir sie hinstellen, wenn die Töpfe dort eingefüttert werden. Zum Auspflanzen eignen sich büschelblütige Akazien nicht. Sie würden nur ungemessen wachsen und im Herbst durch die Störung beim Einpflanzen den größten Teil ihrer Blätter abwerfen. Ebenso machen sie es, sobald der Erdballen im Topfe gar zu sehr ausgetrocknet ist. Dies müssen wir also ängstlich vermeiden.
Das Umpflanzen der Akazien geschieht im Frühjahr und kann im Laufe des Sommers noch einmal wiederholt werden. Die Wurzeln haben einen eigenartigen Geruch und Knöllchen, die für die Ernährung wertvoll sind und nicht abgeschnitten werden dürfen. Große Töpfe sind nicht angebracht; leicht versauert die Pflanze darin, besonders im Winter, wo wir uns mit dem Gießen außerordentlich in Acht nehmen müssen.
Düngen kann man mit Kuhdung, Guano im Freien, im Zimmer mit Chilisalpeter und Kali.






